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REZENSION
Werner Stark
The Social Bond
An Investigation into the Basis of Law-abidingness
Volume II
Antecedents of the Social Bond The Ontogeny of Sociality
Fordham University Press New York 1978
Ob Zufall oder nicht sei dahingestellt, Werner Stark veröffentlichte 1978 >Die Ontogenese der Sozialität< im selben Jahr wie Parsons sein »Paradigma der menschlichen Bedingtheit». Sowohl in diesem als auch in jenem Buch ist das zentrale Thema der >Mensch<. Die Frage lautete: Was können die Humanwissenschaften von der Einheit und Vielheit des Menschen verstehen?
Allgemein waren zur damaligen Zeit u.a. die vier Phasen von Freud (orale, anale, ödipale, adoleszente) akzeptiert und die der Kinderpsychologie von Jean Piaget (18961980), mit der sensomotorischen [Geburt 2 Jahre], präoperativen [2 7 Jahre], konkreten operativen [7 12 Jahre] und formalen operativen [12 15 Jahre] Phase.
Aber wie passte dies zusammen, wenn die Sozialisation von der Befruchtung [0 Jahre] bis zur Reifung [ca. 27 Jahre] betrachtet wird? Die einfachste Art war, zunächst einmal den >Sozialisationsprozess< zeitlich von der Geburt [0] bis zur Volljährigkeit [18 Jahre] anzunehmen. Jedoch erscheint so ein zweiter Anfangspunkt, und somit sind weder der Anfang noch das Ende des Sozialisationsprozesses angemessen bedacht. Diese Probleme blieben auch der akademischen Soziologie nicht verborgen, so wählten sie unterschiedliche Strategien für ihre Lösungen. Stark z.B. favorisierte die >Einheit< und Parsons z.B. die «Vielheit», um Voraussetzungen für die >Integration< erklären zu können. Wie nicht anders zu erwarten, löst keine der beiden Strategien alleine die eigentlichen Probleme in der Theorie.
Schlecht ist es nicht, bei der Sozialisation mit dem Anfang [Geburt] zu beginnen (Stark), gut ist es nicht, vom Beginn einer akademischen Karriere [ca. 27 Jahre] aus zu folgern, dass vom Ende der Sozialisation aus gesehen (Parsons), eigentlich alles von Anfang an optimal verlaufen sein muss. Wie dem auch sei, z.B. Stark, ausgehend von der Trennung zwischen Mutter und Kind während der Geburt, hat seine liebe Not, die >Unterschiede< der Menschen zu erklären; z.B. Parsons, ausgehend von der funktionalen Differenzierung, hat seine Probleme damit, eben die «Nicht-Unterschiede» zu verstehen. Das «Genom», wenn man|frau den Mitteilungen ab Mitte 2000 folgen kann, zeigt keine Unterschiede zwischen Menschen, allerdings weist das «Symbol» nicht nur auf graduelle Differenzen, sondern gar noch auf mehr Verschiedenartigkeiten, vor allem auf das alte Yang, das alte Yin, das junge Yang und das junge Yin (vgl. I Ging).
Was für den Markt (Parsons) interessant wird, ist noch lange nicht für die Familie (Stark) richtig und umgekehrt. Könnte dies schon zum Nachdenken anregen, so ergibt sich allerdings noch eine weitere Verkomplizierung. Angenommen, das Symbol für den Markt sei das Quadrat (Parsons) und das Symbol für die Familie sei der Kreis (Stark), wer würde da schon vorschnell oder übermotiviert erklären, dass der akademischen Soziologie die Lösung des uralten Problems, nämlich die Quadratur des Kreises oder das runde Quadrat, gelungen ist?
Für Parsons, aber auch z.B. für Marx und Weber, ist der >Prozess der Sozialisation< mehr oder weniger Nebensache. Hier tangieren Äußerungen über die >Ontogenese< eher die Welten der Erwachsenen, also die Zeit von der «Reifung» bis zum «Tod» steht im Vordergrund. Für Stark, aber auch z.B. für Tönnies und Durkheim, beginnt die >Ontogenese< mit der Geburt. Stark folgt allerdings nicht der klassischen Soziologie, sondern er beschränkt sich auf die Nicht-Soziologie (Freud, Piaget). Zwei Probleme sind damit vorprogrammiert: 1) die Geburt wird bei Stark zur normalen sozialen Tatsache, d.h. er geht davon aus, dass das Kind nach einer natürlichen Geburt in und mit einer normalen (amerikanischen) Familie lebt; und 2) die Ausbildungszeit, von Parsons (1973) mit der universitären Bildung erforscht, wird von Stark ausgeklammert.
Was aber sollte nach der Geburt passieren, ist das >Mutter Kind Verhältnis< (Nietzsche, Freud) oder das «Vater Kind Verhältnis» (Rousseau, Saint-Exupéry) für die >Ontogenese< von Bedeutung. Werner Stark folgt in seiner Routine mit der akademischen Soziologie ausschließlich einer >normalen Familie<, d.h. für ihn ist primär die >Einheit< über das >Mutter Kind Verhältnis< gegeben. Er bemerkt aber auch schon, dass dies schwerlich mit dem Christentum des Neuen Testamentes [Vater Sohn Heiliger Geist] in Einklang zu bringen ist. Ohne hier die Probleme zu vertiefen, sei darauf hingewiesen, dass es zwischen Band I und Band II von Stark eine Lücke gibt. Es kann soziologisch so einfach nicht verstanden werden, dass >die Phylogenese< (Band I) z.B. vom «Vater Kind Verhältnis» (Christentum, «Gemeinschaft») und >die Ontogenese< (Band II) z.B. vom «Mutter Kind Verhältnis» (Kapitalismus, «Gesellschaft») geprägt ist, und dann noch gesagt wird: >Die Ontogenese wiederholt die Phylogenese<. Ein paar mehr Überlegungen bedarf es dazu schon noch.
Lange Rede, kurzer Sinn: in der heutigen Zeit ist es nicht gerade ein Zeichen der Aufgeklärtheit, wenn davon ausgegangen wird, dass alle >Geburten< mit dem Konzept einer >normalen (amerikanischen) Familie< verknüpft sind. Empirisch deuten es nicht nur die Scheidungsraten an, dass da etwas nicht stimmig sein kann. Theoretisch weist gar die reproduktive Medizin darauf, dass heute nicht mehr die Aufklärung der Kinder über «natürliche Geburten» ausreicht. Sexualaufklärung hat gar heute noch mehr zu bedenken, vor allem seit AIDS sich zu einem ernsthaften Weltproblem entwickelte.
Also, >die Ontogenese< lässt sich nicht nur auf die Zeit zwischen der amtlichen Anmeldung eines Kindes und der gesetzlichen Volljährigkeit beschränken, wie es Werner Stark hier im Band II unternimmt. Schwerlich ist auch davon auszugehen, dass nur die Zeit von der Ausbildung bis zum Beruf wichtig ist und das andere dann eher normal zu sein hat. Sozialisation bezieht sich soziologisch jedenfalls nach Durkheim auf die Zeit von der «Geburt» über die «Reifung (Initiation)» bis zum «Tod». Korrekterweise sei dann auch hinzugefügt, dass sich Stark auf die Spanne zwischen >Geburt< und >Reifung< bzw. Parsons auf die zwischen «Initiation» und «Tod» bezieht. Womit dann auch sogleich gefunden ist, wie es Stark schaffte, Parsons zu erweitern. Mit dem Übergang «Reifung (Initiation)» findet sich eine Möglichkeit der Verknüpfung, und Stark weist so auf den >Prozess der Sozialisation<, der allmählich in der Soziologie immer mehr verschüttet wurde.
Beide Arten der Betrachtungen führen in ihrer Verknüpfung weiter, als nur die Hervorhebung einer Strategie. Wenn der >Mensch< die Variationen von Yang und Yin aufnimmt, dann entsteht das Modell der «Kernfamilie», welches als Grundlage der Handlungstheorie oder des «Paradigmas 2» von Parsons dient. Zur Vervollständigung sei bemerkt, dass erst nach der «Reifung» (Stark) mit der «Rollentheorie» begonnen, und dass erst mit der «Initiation» (Parsons) auch damit gearbeitet wird.
Zwei Dinge allerdings kamen den beiden Denkern schon merkwürdig vor: 1) nach den Phasen von Freud ist gar nicht gesichert, dass alles in eine >normale Familie< münden muss (Stark); und 2) nach den Phasen von Piaget kann sich nicht zwangsläufig eine «normale Arbeitsteilung» ergeben (Parsons). Irgendetwas will bedacht sein, aber was? Na ja, das Leben. Es gab bei Stark Abweichungen, es gab nicht nur gerade Wege bei Parsons, wieso sollten da auch ihre Theorien über den >Prozess der Sozialisation< das einzig Wahre treffen?
Stark beginnt seinen Band II mit dem >Vorwort<, anschließend erwähnt er in der Einführung die >Selbst-Zentrierung und Sympathie<, kommt dann zum Hauptteil >Die Sozialisation des Individuums< und erwähnt zum Ende >Die Verschiedenheit der Menschen<. Eigentlich braucht es ja nicht so vieler Worte, um zu verstehen, dass nicht immer nur Nutzen Kosten Kalküle das Soziale erklären.
[Aus dem >Vorwort<] Zum ersten Mal erwähnt Stark, >dass die nachfolgenden Seiten Gedankennahrung für jeden verantwortungsbewussten Bürger und nicht nur für den akademischen Soziologen beinhalten<. Die praktische Tragweite der >Sozialisation< hat als Ziel >Mitgefühl zu empfangen und weiterzugeben<.
[Aus der >Einführung<] Stark beginnt mit einer Reflektion über den >Geburtsakt< und meint, dass von da an die neuen Babys >von einer wesentlich physischen zu einer wesentlich sozialen Umwelt< transformiert werden. Zu bedenken ist hier, dass gerade in der westlichen Welt der >Geburtsakt< sehr oft in einem Krankenhaus stattfindet, also einer sozialen Institution bedarf, und somit der >Prozess der Humanisierung und Sozialisation< nicht einfach «natürlich» beginnt. Ob dann der >menschliche Aktivismus unmittelbar nach der Geburt beginnt< oder bereits während der Schwangerschaft oder wenigstens mit dem >Geburtsakt<, will Stark hier nicht verfolgen. Für ihn beginnt das Leben mit den ersten Nachgeburtstests, unabhängig davon, dass es heute Schwangerschaftsuntersuchungen gibt. >Die Begriffe «gut» und «schlecht»< beziehen sich heute nicht einfach am Anfang des Lebens eines Menschen auf die Möglichkeiten einer erfolgreichen Zukunft, sondern vornehmlich auch auf «Krankheit und Gesundheit».
Es ist schon so, wie Stark bemerkt, dass hierbei schon zwischen >Welt< (Zukunft), >Umwelt< (Gegenwart) und >Vorwelt< (Vergangenheit) differenziert wird. >Werte< kommen also ins Spiel, die anfangs mit Normalität geeicht sind, um in etwa die >Kapazität< zu prognostizieren. Mit dem >Geburtsakt< selbst entsteht sofort die Verknüpfung einer alten und neuen Generation: >Vererbung und Kommunikation<. Natur (Kind/Kinder) und Kultur (Eltern) treffen aufeinander mit der Möglichkeit der Verantwortung >der Sozialisation und Moralisation<. Möge man|frau diese Interaktion auch nun >Ich und Du< nennen, im Klartext einer solchen Betrachtung ist das «Eltern Kind Verhältnis» gegeben. Ein «Konzept des Willens» (Arthur Schopenhauer 17881860) ist mitbedacht. Der «Wesenwille» ist über das «Mutter Kind Verhältnis», der «Kürwille» über das «Vater Kind Verhältnis» zusätzlich berücksichtigt (vgl. Tönnies).
Eingebürgert hat sich, dass das erste Verhältnis mit dem >Prozess der Sozialisation< (Stark) und das zweite Verhältnis mit dem «Prozess der Bildung» (Parsons) veranschaulicht wird. Das erste ist bezogen auf den >Körper< (Natur), das zweite auf den >Geist< (Kultur), bzw. das erste beruht auf >Sympathie<, das zweite auf >Ethik<. Womit dann einmal mehr gesagt ist, dass der >Prozess der Sozialisation< als Ziel hat, einerseits die Familie und andererseits den Beruf lieben zu lernen. Es ist eine Art, den >Geburtsakt< funktional zu betrachten, und es ist eine andere Art, sich mit dem Phänomen «Geburt» auseinanderzusetzen. Die moderne Soziologie ist nicht schlecht beraten, die soziale Tatsache der Geburt zu akzeptieren.
[Aus >Die Sozialisation des Individuums<] Es ist nicht falsch, wie Werner Stark zu bemerken, dass das Neugeborene >total hilflos< nach der Geburt ist. Genauso angemessen ist es aber auch zu bemerken, dass die Eltern bzw. die Mütter auch nicht gerade schon rational alles während des >Geburtsaktes< im Griff haben. Die Situation der Geburt ist alles andere als logisch und klar für die affektuell oder emotional beteiligten Einheiten, eben für Gebärende und Neugeborene. Der >Geburtsakt< ist ein «soziales System», das zweite in der >Ontogenese<, und wer es hier mit Luhmanns (siehe Rezension) «Interaktionen, Organisationen, Gesellschaften» versucht, wird wahrscheinlich «Patente» erwerben wollen. Aber das ist ein anderes Problem.
Erscheint der Mensch im Licht der Zivilisation oder Jetztzeit, wird zunächst einmal für unbeteiligte Personen klar sein, dass >Reifung ein biologischer Prozess ist, die Humanisierung eine erzieherische Anstrengung<. Nach dem Krankenhaus, kommt der Weg nach Hause, dann die Krabbelstube, der Kindergarten, die Schule, die Ausbildung, ja und dann? Für Parsons z.B. die akademische Laufbahn, aber dies lässt sich wohl kaum verallgemeinern.
Nach der Geburt könnte ein neuer Erdenbürger oder eine neue Erdenbürgerin sagen: >Hier bin Ich; das Objekt ist da, materiell und sozial<. Aber das ist so auch nicht richtig, denn erstens kann so schnell nicht gesprochen werden, und zweitens ist das neue Subjekt da. Das Problem beginnt: >Ontogenese [Band II] ist eine Wiederholung der Phylogenese [Band I]<. Was sich so verworren liest, besagt zunächst nur, dass sehr viele >soziale Beziehungen< zu bedenken sind, wenn der Mensch ins Zentrum rückt. Solche Beziehungen gibt es aber doch nicht nur wegen eines Anfangs, sondern auch wegen der Mitte und des Endes. Möge die Humanwissenschaft darüber nachdenken, dass die Assoziation von «Eizelle und Same» (Yin und Yang = Mitte) am Ende der «Schwangerschaft» der Anfang von neuem Leben ist.
Abkürzend sei bemerkt, dass das Ganze (der Mensch) sich letztlich symbolisch auch als großer Teil Yin (z.B. Mutter), kleiner Teil Yang (z.B. Vater), winziger Teil «Herz» (Yin und Yang) und Möglichkeit (Integration) übertragen lässt. Ob oder ob nicht eine Person zur «guten Gesellschaft» beiträgt oder beitragen kann, ist nicht unerheblich auf das >facetoface mit einer sympathischen Person< zurückzuführen. Dies wiederum verweist eher auf eine konkret regressive (Stark) denn auf eine abstrakt telische (Parsons) Anstrengung. Was nützt schon einem Baby, dass es mit 20 Jahren Fast-Food kaufen kann, wenn es anfangs kausal nicht mit wirklicher oder virtueller Muttermilch gesättigt wurde?
Von Beginn an trifft man|frau auf >physische (Hunger) und soziale (Liebe)< Abhängigkeit. Eine «Rolle», falls es überhaupt jenseits von Theorien und Theatern so etwas gibt, wird am allerwenigsten nach dem >Geburtsakt< für das neue Leben wichtig sein. Menschliches Handeln ist vom Beginn an betrachtet allenfalls ein >Kompromiss zwischen gewollten und unwillkürlichen Kräften<, und bei weitem kein rationales Kalkül von Seiten der nun da seienden jüngeren Generation. Dies besagt, dass es oftmals einen Konflikt zwischen >Natur (Freiheit)< und >Kultur (Tradition)< gibt oder geben kann.
Eigentlich ist die >menschliche Gesellschaft eine Art Dschungel<, in dem nicht Pflanzen, sondern >Geld< die undurchdringbare Selektion erzwingen. >Die Zurückhaltung und die Manipulation von Informationen< führen in letzter Konsequenz zu Erscheinungen, die eigentlich nicht mehr in Verständnis münden können, sondern allenfalls anregen, >Idealtypen im Sinne von Max Weber< zu produzieren. Es bedarf da schon das Überdenken des >Prozesses der sozialen Erziehung<. Damit fragt dann Stark, was es bedeutet, >sozial zu scheinen und sozial zu sein<, mit der Aufforderung nicht zu ignorieren, dass der Sozialisationsprozess im >Willen< sein Ziel hat. Was sich so leicht mit >Sozialisation< benennen lässt, ist auch immer ein >Kommunikationsprozess<. Die >Sozialität erscheint nicht wie von selbst mit der Geburt, sondern entsteht mit einer langsamen und schwierigen erzieherischen Anstrengung<. Wie groß oder wie klein die Mühen werden können, verdeutlichen Starks weitere Ausführungen, wobei das Ziel ist, über >die Verinnerlichung von Werten und Normen< aufzuklären.
[Aus >Die Verschiedenheit der Menschen<] Spätestens mit dem Fortschritt der Genetik konnte verständlicher werden, dass jede Person spezifischen Eigenheiten aufweist. Für die Betrachtung der >Ontogenese< bedeutet dies, dass es Variationen oder eben >Verschiedenheit< gibt. Ein >Erziehungsprozess< oder der >Sozialisationsprozess< macht eben Personen nicht gleich, sondern bringt sie in Kontakt mit >Bildung< und >Disziplin<. Für die moderne Soziologie ist zunächst einmal von Bedeutung, dass das «Genom» generell für den Menschen gilt, aber «Symbole» variieren von Milieu zu Milieu. In der westlichen Welt werden Symbole durch die Sprache vermittelt, aber nicht nur so geschieht es. Wie z.B. Koch (siehe Rezension) zeigte, können sie auch durch «Markenartikel» angezeigt werden, ferner durch Bilder, Bücher, Lieder usw. >Die nordamerikanische Gesellschaft ist die kapitalistische Gesellschaft. Ihre Ursprünge liegen in der Mentalität, die Soziologen als Protestantische Ethik bekannt ist< (Parsons). Eine solche Gesellschaft stützt sich auf andere Symbole wie z.B. die Gesellschaft des Vatikans, ihre Ursprünge finden sich im katholischen Glauben (Stark). Ohne weitere Religionen hier zu erwähnen, kann schon erahnt werden, dass es ein einheitliches Konzept über den >Prozess der Sozialisation< so leicht nicht gibt. Am unverfänglichsten erschienen zur damaligen Zeit für Stark und Parsons die Phasen von Piaget, mit dessen sprachlichen Symbolen konnten der Katholik und der Protestant am leichtesten miteinander kommunizieren. Allerdings unterbindet und verhindert eine solche verschwiegene Übereinkunft in letzter Konsequenz vor allem eine soziologische Forschung.
>Die Ontogenese< kann also nur in etwa mit den Nicht-Soziologien versuchen, ein allgemeines bzw. ein mehr oder weniger schräges Bild von der Zeit der Geburt bis zur Zeit nach der Ausbildung zu entwerfen. Parsons spricht dann auch lieber vom Idealtyp und Stark vom Normaltyp. Viele Facetten sind dabei notwendigerweise ausgeklammert und es zeigt sich in den Theorien, dass in etwa frei entschieden ist, was für wichtig gehalten wird. Parsons startete bei seiner «Handlungstheorie» mit Piaget und wandte sich dann Freud zu. Stark jedoch beruft sich auf die Ergebnisse von Durkheim (1897). Theoretisch wurde in der akademischen Soziologie so getan, als wenn >die Lücke zwischen Männern [Yang] und Frauen [Yin] «überbrückt» wäre<. Aber viele Fragezeichen tauchten auf im >Übergang vom Jungen zum Mann< bzw. >vom Mädchen zur Frau<. Es wäre vermessen zu denken, dass dies über >Kultur und Ethos, Brauchtum und Erziehung< und mit einer überholten Soziologie schon alles erledigt ist.
Irgendetwas ist schon wichtig bei der >Identifikation mit einem [alten Yin]< und der >Identifikation mit einem [alten Yang]<. Bei Abweichungen oder Konflikten in den Identifikationen erblickte Freud eine «Krankheit» und bei Stark wird es abgeschwächt mit >Einzelgänger< umschrieben. Gemeint ist die >Homosexualität<. Sicherlich ist diese Sexualität mit dem Bezugsrahmen «Heterosexualität» (Parsons, Stark) anders, aber erstens galt sie in der klassischen Soziologie bereits schon als normal, und zweitens ist sogar die >Ehe< nicht mehr so leicht als konkrete Verknüpfung von «Mann und Frau» zu verstehen. Theoretisch bleibt dabei sicherlich die Assoziation «Yin und Yang» erhalten. Stark hätte auch selbst merken können, dass nach dem soziologischen Interaktionsmodell «Ego (Heterosexualität) Alter (Homosexualität)» nach dem ersten Schritt (Ego) der zweite (Alter) zu klären ist. Vorschnell dann «Alter» mit dem Etikett Krankheit, Abweichung, Einzelgänger oder Verschiedenheit zu versehen, ist nicht gerade im Sinne der Soziologie.
Die Basis eines jeden Sozialsystems ist die >Integration zwischen Yin und Yang<. Lediglich wegen des zu kontrollierenden Fehlers im Nacheinander der Bearbeitung (Freud) ist es gar nicht so ungeschickt hier mit > Alter und Ego < zu arbeiten. Der Begriff «Alter» ist zugegebenermaßen doppelsinnig, er verweist auf das Andere und auf die Zeit. Im weiteren Verlauf der Soziologie hat sich dann auch gezeigt, dass das >Ego< mit dem «alten Yang», also mit den historischen «sozialen Tatsachen» angemessen zu analysieren ist. Wenn also >die Institution der Heirat oder die Familienregulatoren< als >formgebend und normgebend< angenommen werden, dann ist nicht immer dies konkret mit «Mann und Frau» zu besetzen. Es wäre dies ein Beispiel für einen «Fehler der unangebrachten Konkretisierung» (Whitehead).
Vorbereitend auf den dritten Band von Werner Stark sei vermerkt, dass das >Ego< Nietzsche bis zu seiner Schrift >Der Fall Wagner< als Yang auftritt, dann wird er zum Yin und als Objekt >Alter< missbraucht. Stark schließt >die Ontogenese< damit ab, dass er bemerkt: >unsere Eltern halten uns fest in ihrer Gewalt<. Dies kann, wenn man|frau auf Freud achtet, weder positiv noch negativ ausgelegt oder sowohl negativ als auch positiv gemeint sein. Von der >Phylogenese< (Band I) aus betrachtet, ist es nicht wesentlich negativ formuliert, von der >Ontogenese< (Band II) aus gesehen, wird schwerlich nur das Positive zu finden sein. Mit dem >Eltern Kind Konzept< verbinden Stark als auch Parsons eben nicht nur empirische Familien, sondern viele Interaktionssysteme, wie z.B. Lehrer Schüler, Dozent Student usw., sind damit verknüpft.
Der eine versucht so eine «gute Gesellschaft» zu finden, der andere fragt mit seinen ersten beiden Bänden: >wie könnte eine moralische Ordnung funktionieren<? Menschen, so Stark, sollten nicht nur passiv sein und sich so aktiv mit der Kriminalität verbünden (vgl. Arendt, Elias). Die Möglichkeit der Wahl oder der Entscheidung kann von >Natur< oder >Kultur< beeinflusst sein, aber der Mensch sollte sich nicht immer von seinem Herzen (>feeling meaning<) entfernen. So schön sich dies auch liest, Stark verheimlicht die konkrete soziale Konsequenz nicht. Wenn die >Eltern< gelernt haben zu verstehen, können sich die >Kinder< geborgen fühlen, wenn allerdings die >Kinder< begreifen, dass die >Eltern< Unredliches rational einsetzen, sollte eine >Trennung< erfolgen. Auch Trennungen wollen gelernt sein, vor allem weil sie wesentlich für das «Realitätsprinzip» sind.
Für die moderne Soziologie seien die ersten beiden Bücher von Stark einmal entschlüsselt. Im ersten Band geht es um das Problem zwischen «Gemeinschaft und Gesellschaft», im zweiten Band dreht es sich um «Wesenwille und Kürwille» (vgl. Tönnies). Die Grundlagen für die Soziologie mithilfe der Nicht-Soziologien sind installiert. Im dritten und vierten Band werden die >Solidaritätsarten< (Durkheim) bzw. die >Bejahungen< (Tönnies) konkreter gefasst. Der fünfte Band weist auf soziale Variationen, der sechste Band sollte zeigen, wie und warum Sozialsysteme zusammenbrechen.
Um es auf den Punkt zu bringen: nannte Parsons sein G-System «Goal-attainment [Zielerreichung]», so heißt es nach Stark nun «Gewissenhaftigkeit und Redlichkeit».
noz
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