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"Die moderne Soziologie"

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REZENSION

Popol Vuh – Das Buch des Rates
Mythos und Geschichte der Maya

aus dem Quiché übertragen und erläutert von Wolfgang Cordan

Eugen Diedrichs Verlag; Köln 1984



Die alte Überlieferung “Hier beginnt die alte Kunde von Quiché, wie es genannt wird.“ Mit diesen Worten beginnt ein Buch, dass spätestens um 1857 in Europa so einiges in Aufruhr versetzte und seitdem klingen die Verwunderungen über die Kultur der Maya nicht ab. Selbst heute im Jahre 2003 wartet man sehnsüchtig darauf, in Palenque nächstes Jahr noch mehr vom Herrscher Kan Joy Chitam I (529-565) zu erfahren, dann nämlich, wenn sein Grab geöffnet werden kann. Aber damit nicht genug, aufwendige Unterwasser-Archäologie wird betrieben, um die Wasserlöcher oder Cenotes in Yucatan zu erkundigen und ansonsten stehen noch ganz andere Wissenschaften vor dem Rätsel der Maya. Dabei ist alles so einfach, wenn man|frau einmal ins Popol Vuh geschaut hätte. Dort ist nämlich weiter zu lesen: "Hier werden wir enthüllen, erklären und berichten, was verborgen war: ... Wir heben es ans Licht, denn das Popol Vuh ward unsichtbar, das Buch, das vom Licht ... erzählt und vom Leben im Licht, wie man sagt.

Noch gibt es das Erste Buch, wie es einst geschrieben, aber verborgen ist es dem Suchenden, dem Forschenden. Aber was suchen die Suchenden, Reichtum, Macht, Ansehen, Ruhm? Wen erforschen die Forschenden mit neuzeitlichem Hightech, den Anfangs-, Mittel- oder Endpunkt? Kennen sie denn nicht <die Denker und Lenker über allem Sein>? - Vier Weltecken, vier Weltseiten machten Tzakól und Bithól, wie man sagt, die Mutter und der Vater von Leben und Schöpfung: die den Atem schufen und das Herz, Gebärerin und Hüter des erleuchteten Geschlechtes, der Lichttöchter, der Lichtsöhne?

Das ist die Kunde:
Da war das ruhende All. ... Unbeweglich und stumm war die Nacht, die Finsternis.
In Dunkelheit und Nacht kamen TepNu und Gucumatz zusammen und sprachen miteinander. ... Und sie erkannten, während sie überlegten, dass mit dem Licht der Mensch erscheinen müsse. Die Schöpfung der Erde begann und zum Schluss schufen sie die Tiere, <die Wächter>. Doch sie redeten nicht miteinander und priesen gar <das Herz des Himmels> nicht. <Auf ein neues! Schon naht die Morgenröte.> Und sie erschufen den Menschen aus Schlamm, aber bei der ersten Nässe weichten sie auf, so zerschlugen sie auch diesen Versuch und machten Wesen aus Holz. <Aber die hatten keine Seele, keinen Verstand.> Sie vergaßen Mutter und Vater, so wurden sie vernichtet und <die Nachkommen jener seien die Affen ...>. Sie waren nichts als Marionetten aus Holz. Letztlich konnten aber Überheblichkeit, Unkenntnis der Vergangenheit Siebenpapagei, Geifer Zipacná und Gier Cabracán nur von Hunahpú und Ixbalanqué, den göttlichen Zwillingen, besiegt werden.

Hunahpú und Ixbalanqué waren Söhne von Einsjäger, die er in Xibalbá, in der Unterwelt, zeugte; auf der Erde zeugte er Einsaffe und Einsmeister, wahre Künstler, aber verdorben. Die beiden Brüder Einsjäger und Siebenjäger, letzterer ein Junggeselle, waren Söhne der Ixumucané, die das Ballspiel gegen die <Herren von Xibalbá> verloren. Ihre Geschichte geriet in Vergessenheit und nur eine Jungfrau, Ixiquic, erinnerte sich dieser Geschichte und machte sich auf, die verlorenen Brüder zu suchen. Diese wird von Einsjäger dann geschwängert und als Dirne beschimpft, muss sie ein hartes Los erfahren, jedoch sie gibt ihren Kindern Hunahpú und Ixbalanqué das Licht der Welt. Einsaffe und Einsmeister &Mac246; Erdsöhne &Mac246; trachten ihren Brüdern nach dem Leben und als die Zwillinge stark genug sind, bestrafen sie diese für ihre Vergehen. Die älteren Brüder werden in Affen verwandelt. Nur die Großmutter kann sie von diesem Zauber erlösen, aber obwohl sie nicht Lachen darf, lacht sie jedes Mal, wenn Einsaffe und Einsmeister erscheinen, so verwandeln sich schließlich diese, von Neid und Hass geprägten Brüder, endgültig als Affen. Hunahpú und Ixbalanqué bleiben als wahre Erben von Einsjäger zurück.

Die beiden Jünglinge erfahren vom Schicksal ihres Vaters und Onkels, entdecken ihr Vermächtnis und beginnen mit dem Ballspiel. Die Herren der Unterwelt hören den Lärm und fordern nun auch Hunahpú und Ixbalanqué heraus. Diese bestehen viele Prüfungen und besiegen nach einer Selbstopferung schließlich das ganze Reich von Xibalbá. Nicht alle Rätsel konnten sie lösen, aber schließlich gingen sie nach ihrem Sieg direkt in den Himmel. Hunahpú wurde zur Sonne, Ixbalanqué zum Mond und ihre Verbündeten zu den Sternen. Durch ihre Werke fanden TepNu und Gucumatz den Lebensstoff des Menschen. Sie formten ihn aus gelbem (reifen) und weißem (unreifen) Mais. Daraus schufen sie die ersten Männer - Balam-Quitzé, Balam-Acab, Mahucutah und Iqui-Balám. <Vernunft war ihnen gegeben ... Groß war ihre Weisheit>, aber es war nicht gut, dass sie sich für Götter hielten. So wurde vom <Herzen des Himmels> beschlossen, sie zu beschneiden. <Unterdrücken wir ein wenig ihre Wünsche ... Sie konnten nur noch sehen, was nahe war, nur was klar war. ... So wurden zerstört die Weisheit und alle Kenntnisse>.

Den Männern wurden Frauen zur Seite gestellt, dem ersten (Balam-Quitzé) Himmelswasser, dem zweiten Brunnenwasser, dem dritten Kolibriwasser und dem vierten Papageienwasser. So wurden schließlich die Menschen und die großen und kleinen Stämme erzeugt. Viele Menschen kamen so im Osten zusammen und Dunkelheit war es noch. Aber <sie unterhielten und ernährten nicht ihre Götter>, es waren nur unterschiedliche Menschen, die mit ungleichen Zungen redeten. Die Narren erzählten nun vom Aufgang der Sonne und <ungeduldig erwarteten sie die Morgenröte.> Sie beteten, <Gib uns unsere Nachfolge, solange die Sonne wandert und es Licht ist. Dass es hell werde, dass die Morgenröte erscheine.> Und während sie warteten, betrachteten sie den Morgenstern. Er kündet die Sonne an, <die erleuchtet die Schritte des Menschen, geschaffen und geformt.>

Damit beginnt nun die Erzählung der Menschen, wie sie sich aufmachten nach Tula und dort die Götter fanden, vor denen sie ein Feuer entzünden konnten. Tohil war der gemeinsame Gott ...
Soweit die kleine Einführung in das Popol Vuh, und verschwiegen sei nicht, dass sich viele Suchende und Forschende aus Ehrgeiz bisher nur vor Holzbildern verneigten und alle nur das Lachen fanden konnten. Liest man|frau weiter, so zeigt sich, dass die <Königslisten> die Offenbarung beinhalten. Der Schluss <So ist nun alles zu Ende in Quiché, Santa Cruz genannt> ist erstens falsch übersetzt und zweitens missverstanden worden; ja, ja <dem Suchenden, dem Forschenden> reichen doch bei der Suche nach Wahrheit nicht Geld oder Hightech.

Zunächst einmal sei auf fünf Möglichkeiten bezüglich des vorliegenden Buches hingewiesen: 1. es wird gelesen; 2. es wird in Vorspiele, Hauptteil und Nachspiele geschieden; 3. es wird der Hauptteil gegliedert oder ganz gelesen; 4. es werden Schwierigkeiten der Übertragung kontrolliert; und 5. es werden unangemessene Ergänzungen wieder gestrichen. Das Erste deutet auf Schwierigkeiten mit Personen, die einen Teil gelesen haben und meinen, sie hätten das Ganze verstanden. Das Zweite weist darauf, dass eigentlich das Popol Vuh nicht vor 1618 geschrieben sein kann, also die Behauptung, dass es nach 1550 geschrieben worden ist, erweist sich bei genaurem Hinsehen als Überheblichkeit. Das Dritte verdeutlicht, dass ein Zerstückeln des Textes vielleicht zu genaueren Übersetzungen führen kann, aber auf gar keinen Fall zum Verständnis des Ganzen. Das Vierte besagt, das noch lange nicht vermeintliche Freunde der Maya zum Ziel kommen. Das Fünfte warnt davor, Arroganz und Borniertheit walten zu lassen, wenn es um die Schöpfung geht. Lange Rede, kurzer Sinn, ohne Zweifel ist der Sieg über Xibalbá ein besonderes Thema im Popol Vuh, doch den kann man|frau zu interpretieren wissen.

Begonnen sei damit, dass die <Herren von Xibalbá> ins Moderne übersetzt werden. Sie heißen Hun Came, Vvcub Came, Xiquiripat, Cuchumaquic, Ahalpuh, Ahalcana, Chamiabac, Chamiaholom, Patan, Quicxic, Quicrixcac und Quicre. Was helfen alle Übersetzungen der Namen, wenn man|frau sie nicht zu deuten weiß? Übertrage man|frau sie als natürlichen Tod und Folterung, Krieg und Seuche, innere und äußere Krankheit, als Erschöpfung des Leibes oder der Seele, als schnellen oder langsamen Tod, als Mord und Schicksal, so sind die Namen selbst in der Zivilisation nicht mehr so fremd. Ist die Übertragung gelungen, so lässt sich auch die Botschaft leichter vermitteln. Der Schreiber des Popol Vuh sagt seinem Volk in etwa das folgende:
Es gab das Warten, die Hitze, die Ungewissheit, den Betrug, die Kriege, die Demütigung, die Kälte, die Plünderungen, die Katastrophen, die Feinde, die Spanier, aber mit unserem Glauben, mit unserem Geschick, mit unserem Wissen mit unserer Gemeinschaft haben wir, Hunahpú und Ixbalanqué, alles besiegt, wir bestimmen unser Ziel und werden es erreichen.

Ich persönlich kann nur anmerken, dass es ohne das Wissen um <Gemeinschaft und Gesellschaft> (Tönnies) sowie ohne Kenntnis der <elementaren Formen des religiösen Lebens> (Durkheim) oder ohne Soziologie bzw. ohne soziales Verständnis recht schwierig wird, die Kultur der Maya zu erforschen. Ganz abgesehen davon halte ich die Ignoranz der Erotik (Freud) für unangemessen. Des weiteren sei bemerkt, dass beim Verweis auf die Vor-Sokratische-Philosophie (Nietzsche) auch einmal daran gedacht wird, dass sich diese nicht nur in Griechenland befand. Es sei mir verziehen, darauf hinzuweisen, was im Popol Vuh steht: <So sprachen die Fürsten, während die neun, die dreizehn, die siebzehn Männer mit ihnen fasteten.> Wo bleibt das Vegitesimalsystem, also die Basis 20, womit Personen Außerirdische oder anderes verkünden? Das Leben eines Volkes ist kein mathematisches Problem, mit dem der Verstand alles begründen kann, sondern das Leben gedeiht durch Vernunft, wobei zu lernen ist, dass Holzköpfe von Herzen&Mac226; zu unterscheiden sind, was schon für die Europäer Blaise Pascal (1623-1662) lehrte. Es ist gerade so, als ob der Erzähler, die Erzählerin oder die Erzähler des Popol Vuh Schutzengel von Pascal und nicht von Descartes (1596-1650) gewesen sind.

Nun, die <Forschenden> werden graben und tauchen, die <Suchenden> werden enttäuscht, die Lesenden werden erstaunt sein, letztlich ahnen diejenigen, die ein wenig Gefühl bewahren. Die Welt wurde, das Leben ist kein Spiel, aber trotzdem erfüllt sich die wahre Hoffnung. Bleibt die Frage, was zuerst da war: die Argumente der Logiker oder die Geschichte eines Volkes. Ich denke, dass sich die Frage erübrigt hat, denn vor Sokrates gab es schon lange das Passive (Yin) und das Aktive (Yang). Die einen nennen es Hunahpú (Sonne) und Ixbalanqué (Mond), anderen anders. Letztlich ist nicht zu erklären wie ohne das <Herz des Himmels> überhaupt irgendetwas entstehen konnte. Kommen wir zurück zum Popol Vuh und bemerken, dass vor dem Jahre 2012 überhaupt niemand etwas sehen kann. Der Kalender der Maya lässt grüßen, aber wer hat den schon verstanden? Bemerkt sei, dass eventuell die zivilisierte Wissenschaft stolz auf ihre Errungenschaften sein will, aber verstehen lässt sich damit noch nicht viel, wenn ihr einfach gefolgt wird. Das Leben ist komplexer als eine Bombe oder als die Spanier, bezogen auf die Zeit des Popol Vuh, meinten. Das Leben benötigt Herz und weniger Gequassel oder die argumentative Beweise.

Den meisten Personen wird es vielleicht so gehen wie mir, sie lesen das Buch und verstehen wenig, aber dies ist bei weitem besser, als zu meinen, nach dem Beiseite-Legen kann die Dolce Vita gefunden werden. Holz würde der Maya zu letztem sagen.

noz

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