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"Die moderne Soziologie"

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REZENSION

Platon
Der Staat


Das Gesamtwerk von Platon (um 428 - ca. 347 v. Chr.), Schüler von Sokrates (469 v. Chr. - 399 v. Chr.) und Lehrer von Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) wird manchmal in vier Kategorien eingeteilt:
I. Jugenddialoge
II. Übergangsdialoge
III. Meisterdialoge und
IV. Altersdialoge.
Zur dritten Kategorie zählen Das Gastmahl (Symposion) und Der Staat (Politeia). Diese beiden Werke rechnet man zu den bekannteren Werken von Platon und sei es auch nur, weil Sigmund Freud lediglich Symposion angibt und Karl Marx Politeia. Das Buch Der Staat besitzt aber nun die Eigenschaft, dass es sich von der späten frühen Phase bis zur frühen späten Phase erstreckt, d.h. es hat sowohl eine Beziehung zum ersten Werk von Platon (Verteidigungsrede - die Apologie des Sokrates) als auch zu dessen letztem Werk (Gesetze / Nomoi). Konsequenterweise sprach man schließlich von drei Phasen: Anfang, Mitte und Ende. Der Staat fällt dann in die Mitte und kann dann zur Krone unter Platons Werken erhoben werden. Wenn damit gemeint ist, dass es nicht ungelesen übergangen werden sollte, widerspreche ich dem nicht. Wenn Mann oder Frau mit dem Willen liebäugelt, ist es ein Muss, dieses Buch anzugeben, ob das ganze Buch dann gekannt sein kann ist eine andere Frage.

Der Staat umfasst zehn Kapitel oder Bücher. Hier trifft man|frau auf ein Vorspiel und auf eine Einleitung (1. Buch), auf drei Hauptteile, auf einen Schluss (9. Buch) und auf ein Nachspiel (10. Buch).
Der erste Hauptteil dreht sich um den guten Staat (2.-4. Bücher), der zweite um die Wächter (5.-7. Bücher), der dritte um fünf Staatsformen (8. Buch). Als das besonders Beachtliche wird der eingeschobene zweite Hauptteil angesehen, in dem es um die Kinder- und Frauengemeinschaft der Wächter geht. Aber nun der Reihe nach und angefangen mit dem Beginn.

"Ich ging gestern mit Glaukon, Aristons Sohn, nach dem Piräus". Einige Zeilen später heißt es: "Polemarchos rief: >Sokrates, es scheint, ihr geht fort in die Stadt!<
>Du hast´s erraten<, antwortete ich .
>Du siehst wohl, dass wir in der Überzahl sind.<
>Freilich sehe ich das.<
>Entweder überwältigt ihr uns oder ihr bleibt hier!<
>Gibt es nicht noch ein Drittes? Wir überzeugen euch, dass ihr uns gehen lassen müsst.<

Also das <Ich> bezieht sich nicht auf Platon, sondern auf Sokrates und damit kommt man|frau in Berührung mit der <nachahmenden Dichtung>. Aber bevor dieses Problem näher berührt wird, sei erst einmal dieses kurze Gespräch ein wenig übertragen. Also entweder ist hier Sokrates oder Platon oder gar ein Drittes zu betrachten und dazu sei ein wenig die Geschichte bemüht.

Von Kierkegaard, ein dänischer Philosoph, wird berichtet, dass er sich von Sokrates angeregt fühlte und Kierkegaard wiederum beeinflusste z.B. Sartre und Jaspers, allgemein die Existenzphilosophie. Von Whitehead, ein amerikanischer Philosoph, wird gesagt, für ihn existierte die Philosophie nur in der Auseinandersetzung mit Platon. Whitehead ist jene Person, bei der angemerkt wird, dass sie den amerikanischen Soziologen Parsons überhaupt erst ins Leben gerufen hat. Parsons wiederum beeinflusste dann nicht nur Adorno, Marcuse, Arendt, Habermas usw., sondern schlichtweg viele soziologische Auseinandersetzungen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. So weit, so gut, aber es gibt noch etwas Drittes. Der späte Nietzsche [Götzen-Dämmerung] z.B. meinte: "Ich (=Nietzsche ) erkannte Sokrates und Plato als Verfalls-Symptome, als Werkzeuge der griechischen Auflösung"; der mittlere Rousseau [Emile oder Über die Erziehung] demgegenüber verkündete: "Um eine Vorstellung von der öffentlichen Erziehung zu bekommen, muss man Platons Staat lesen. Das ist kein politisches Werk, wie die Leute behaupten, die die Bücher nur nach dem Titel beurteilen: es ist die schönste Abhandlung über die Erziehung, die jemals geschrieben wurde". In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass bei Karl Marx noch das Buch von Platon unter dem Titel <Republik> geführt wurde. In der Geschichte ist dann weiter zu verfolgen, dass Immanuel Kant auf die <Urteilskraft> zu sprechen kommt, Schopenhauer schreibt über den <Willen>, der späte Max Weber stützt sich auf den späten Friedrich Nietzsche und der späte Emile Durkheim beruft sich auf den mittleren Rousseau. Und einige meinen nun, den Stein der Weisen im späten Weber gefunden zu haben, obwohl Talcott Parsons bereits 1964 verkündete, dass eigentlich für die Menschenwissenschaften Freud und Durkheim von überragender Bedeutung sind. Schaut man|frau darauf, was dies mit Bezug zu Platon besagt, dann ist es nicht allzu schwer wieder auf Symposion (Thema: Eros) und Politeia (Thema: Gerechtigkeit) zu treffen. Und um mit Kierkegaard (1813-1855), der sehr viel von Blaise Pascal (1623-1662) lernte, die Ironie oder den Humor von Sokrates in den Vordergrund zu stellen, sei dieser Abriss verlassen: was haben Essen, Trinken und Dionysos eigentlich mit einem Menschenschlag zu tun?

Nun in dem Buch Der Staat beginnt die heiße Diskussion damit, dass Thrasymachos anmerkt, "dass die Ungerechtigkeit stärker, freier, herrschaftlicher ist als die Gerechtigkeit". Sokrates kann dies nicht glauben, aber sein Widerpart verstärkt noch die Aussage: "das Leben des Ungerechten sei dem des Gerechten vorzuziehen". Sokrates hält dagegen und behauptet, dass die Gerechten auf jeden Fall besser dastehen, und "dass die Ungerechten miteinander nichts zustande bringen können". Im folgenden werden die Gerechten und Ungerechten gegenübergestellt und es taucht die Geschichte vom <Ring am Finger> auf. Wird dieser Ring gedreht, wird man unsichtbar und die Frage taucht auf, ob mit einem solchen Ring der Gerechte anders handeln würde als der Ungerechte. Einmal abgesehen davon, dass dies ein Thema neuzeitlicher Kinofilme ist, wird nun ein Gegensatz zwischen diesen beiden Arten erzeugt. Dem Ungerechten wird alle nur erdenklichen Macht gegeben, dem Gerechten wird zugestanden, dass er bis zum Tode gerecht ist, aber im Rufe der Ungerechtigkeit steht. Dann wird überlegt, <was die Leute zum Lobe der Gerechtigkeit, zum Tadel der Ungerechtigkeit zu sagen wissen>. Klar, die Frage wird sein, hier wird mit Pindar gesprochen, ob <mit Recht oder krummer List> das Leben zu meistern ist. Darauf bemerkt Sokrates: "Die Gerechtigkeit findet sich im einzelnen Menschen; findet sie sich nicht auch im ganzen Staate?"

Ein Staat bildet sich nun, weil kein Mensch alleine alles bewältigen kann, und es wird zunächst einmal ein Staat aus wenigen Menschen gebildet wegen der Bedürfnisse nach Nahrung, Wohnung, Kleider und Partner. Mit diesen einfachen Annahmen wird <der wahre, sozusagen gesunde Staat> konstruiert, der aber schon die <Entstehung des Krieges> heraufbeschwört. Damit wiederum wird der Wächter wichtig und an diesem Stand wird nun die Erziehung diskutiert. Diese Wächter sind zum einen Krieger aber zum anderen auch Herrscher und ihre Erziehung hat mit der musischen Erziehung zu beginnen und im Anschluss daran hat die gymnastische Erziehung zu erfolgen. In der musischen Erziehung, sind drei Arten zu unterscheiden, wobei der Herrscher zum Nutzen des Staates auf Lügen zurückgreifen kann: 1. Nachahmung (Tragödie und Komödie), 2. Bericht (Dithyramben) und 3. eine Verknüpfung (Epen). Hier nun wird die <Erziehung der Krieger> in den Vordergrund gestellt und der Wächter als Herrscher wird vorerst zurückgestellt. Mit der musischen Erziehung sollte es gelingen, den schönen Charakter mit den Schönheiten der äußeren Gestalt zu vereinen. Betrifft dies die <Bildung der Seele>, so zielt die gymnastische Erziehung auf die <Bildung des Körpers>. Dabei ist zu beachten, <dass die Älteren herrschen, die Jüngeren gehorchen>. In diesem Falle wird gesagt, dass Wahrheit ist, wenn sie mit Überzeugungen der Wirklichkeit übereinstimmt.

Ist diese Erziehung erfolgt, so kommt es zur Auslese und Einsetzung, d.h. es ist zu überlegen, wer von den Wächtern zum Herrscher und wer zum Gehilfen geeignet ist. Insgesamt jedoch finden sich drei Stände: Herrscher (Gold), Gehilfen (Silber) Landwirte und übrige (Eisen und Erz). Das Orakel sagt, dass diese Reihenfolge nicht ohne Probleme veränderbar ist. Den Gehilfen ist nun ein besonderes Leben zugeordnet, denn sie besitzen erstens kein Eigentum und zweitens keine Privatsphäre. Dabei ist nicht daran gedacht, jeden einzelnen Stand glücklich zu machen, sondern das Glück richtet sich auf den Staat oder auf die Gesamtheit. Die Wächter sind nicht vielfach gedacht oder durch Reichtum und Armut getrennt, sondern sie sind Einheit, Ganzheit und Stärke. Ist dieser Staat (später ist es die Aristokratie) richtig eingerichtet, so ist "er erstens weise, zweitens tapfer, drittens besonnen, viertens gerecht". Der Staat ist nun der <größere Gegenstand> und das <wollen wir auf den einzelnen Menschen übertragen>.

Der Staat besitzt den Gewerbestand, den Gehilfenstand und den Herrscherstand, diese weisen auf Besonnenheit, Tapferkeit und Weisheit. Der einzelne Mensch besitzt auch drei Arten seiner Seele, nämlich "Vermögen für die geistige Tätigkeit, ... für die Willenstätigkeit, ... für die Triebe (nach Nahrung, nach Fortpflanzung ...)". Genauer sind es Vernunft, Begierde und der Gehilfe der Vernunft (Wille). Vernunft wird mit Nachdenken, Wille mit Freundschaft und Begierde mit Lust in Beziehung gesetzt. Die Erziehung soll nun erreichen, dass Vernunft und Wille über die Begierde herrschen, Besonnenheit besagt, dass die drei Teile harmonisch sind und einmütig Herrschen und Gehorchen aufteilen. Gerechtigkeit ist nun jene Kraft, die die Menschen in Harmonie versetzt, es ist ein Band, das aus einer Vielheit eine Einheit schmiedet. Ungerechtigkeit ist dann die Uneinigkeit der Teile und bedeutet weiter Zügellosigkeit, Feigheit, Unwissenheit, Verworfenheit. Hieraus wiederum kann aus dem ersten Gesundheit und aus dem zweiten Krankheit abgeleitet werden.

"Tugend ist also eine Art Gesundheit, Schönheit, Wohlbehagen der Seele. Schlechtigkeit ist Krankheit, Hässlichkeit, Schwäche". Tugend hat nun nur eine Form, aber die Schlechtigkeit sehr viele, womit die fünf Staatsformen und fünf Seelenformen eingeleitet werden und eben das Königtum oder die Aristokratie die erste Stelle einnimmt. Danach kommt der Einschub über die Kinder- und Frauengemeinschaften der Wächter. Hierbei geht es um die Pflege der kleinen Kinder von der Geburt an bis zur Erziehung und um dieselbe Erziehung der Frauen und Männer. Warum dieser Einschub, und die Antwort ist kurz und knapp: "Nicht mathematisch notwendig, aber erotisch notwendig". Es geht um Züchtung, und Platon lässt Sokrates dazu sagen: "unsere Herrscher werden zum Nutzen ihrer Untergebenen starken Gebrauch von Lügen und Täuschungen machen müssen. Und solche Lügen, meinten wir doch, hätten einen ähnlichen Nutzen wie eine Arznei." Später dann wird die <Pflege der Philosophie> von den <Schaulustigen der Wahrheit> geschieden. Den Jüngern des Eros, den Freunden des Weines und der Ehre wird verdeutlicht, dass es einen Unterschied gibt zwischen Erkennen und Meinen. Die Freunde der Weisheit, dem Erkennen zugeneigt, sind die Philosophen, die <Philodoxen> sind die Freunde des Meines. Die Frage ist nun: Kann also derselbe Mensch Philosoph und Lügenfreund sein?

Wird nun zwischen dem Philosoph und dem Philodoxen zur Mitte das Volk, die Masse, die Menge, das <Untier> geschoben, lässt sich vieles denken, z.B. wird dem einen die Leitung des Staates zugeordnet, dann lügt er, um zu heilen, dem anderen aber die Demagogie, dann lügt er um zu verderben. Die Tugenden Gerechtigkeit, Besonnenheit, Tapferkeit, Weisheit„ machen erst dann Sinn, wenn sie mit der Idee des Guten verbunden sind. Wobei nicht verwundern sollte, dass das Gute zunächst nur als Vielheit festgestellt werden kann, dann aber nach einer Idee als Einheit benannt wird. "Die Vielheiten sind sichtbar, nicht denkbar. Die Ideen umgekehrt sind nur denkbar, nicht sichtbar". Zunächst einmal ist die Sonne ein Abbild des Guten, sie ist sichtbar, unterstützt Werden, Wachsen, Gedeihen und ermöglicht das tägliche sowie nächtliche Sehen. Aber Dialektik schafft mehr, sie "führt ihre Untersuchungen mit Ideen, durch Ideen, um der Ideen willen und endet in Ideen". Zwischen sinnliche Wahrnehmung und Vernunft tritt der Verstand, davon wiederum zu unterscheiden sind Glauben und Wähnen. "Und wer mit Vernunft handeln will, in seinem persönlichen Leben oder als Staatsmann, der muss sie sehen lernen."

Mit diesen Vorarbeiten gelangt man|frau ins Gleichnis von den Menschen in der unterirdischen Höhle. Wobei hier besonders aufschlussreich ist, dass erst durch das Verlassen der Höhle die sichtbare Welt wahrgenommen werden kann, und damit ist es in der denkbaren Welt gegeben, <Wahrheit und Vernunft> zu erreichen. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass der Herr des Lichts noch lange nicht wie von selbst zur Herrin wird. Welch ein Gleichnis, und wer vergisst schon, dass mit der Höhle so vieles verbunden werden kann, z.B. der Elfenbeinturm, der Verein, der Kultus, die Partei, das Fernsehen, das Internet usw. Noch komplizierter wird es, wenn bemerkt wird, dass dabei die Augen zweimal und aus zwei Gründen den Dienst versagen: wenn man vom Licht ins Dunkel geht, und wenn man vom Dunkel ins Licht geht; die einen sind geblendet, die anderen nicht angepasst. Die Kunst des Erziehens ist nun, das Schauen zu lehren.

Die musische Bildung lehrt mythische und wahre Geschichten zu unterscheiden, die gymnastische Bildung weist auf Werden und Vergehen, aber für die Wächter oder Menschen reicht dies nicht. Hinzukommen müssen zunächst Zählen und Rechnen (Arithmetik) als Mittel zum Nachdenken, denn die Wahrnehmung ist oft unzureichend, um z.B. Wenige und Viele zu unterscheiden. Dann sollte Geometrie hinzukommen, um <sich dem Orte zuzuwenden>, denn dies bezieht sich auf eine Dauer. Astronomie darf nicht fehlen, um Bewegungen zu überdenken, wie Tag und Nacht, Monate, Jahreszeiten, Jahre. In diesem Zusammenhang wird bemerkt, dass jemand der eine Zimmerdecke betrachtet oder auf dem Rücken schwimmt noch lange nicht philosophisch nach oben oder geistig schaut. Eine besondere Aufgabe ist eben die <Erkenntnis des Schönen und Guten>. Dabei ist die dialektische Untersuchung vonnöten oder Wanderungen durch die denkbare Welt (das Gute) und sichtbare Welt (das Schöne). War vorher das Alter besonders bedacht, so wird nun gesagt: "Große und anhaltende Arbeit ist Sache der Jugend ... in der Seele haftet keine erzwungene Lehre".
>Das ist wahr.<
>Also, Bester, lehre deine Kinder die Wissenschaften nicht mit Gewalt, sondern wie im Spiel! Dann merkst du auch eher, wofür ein jedes Anlage hat.<
>Was du sagst, hat Sinn.<
Die wahren Philosophen, nicht die echten oder rechten, erkennen "vor allem die Gerechtigkeit als das Größte und Nötigste".
Mit diesem Einschub werden die fünf Staatsformen und fünf Gestaltungen der Seele wieder aufgenommen. Diese fünf Staatsformen sind die Aristokratie, die Timokratie, die Oligarchie, die Demokratie und der tyrannische Staat. Viele Jahrhunderte später wird sich Charles de Montesquieu (1689-1755) damit näher beschäftigen, und mit ihm kommt man auf die Gewaltenteilung Exekutive, Legislative, Judikative zu sprechen. Mit ihm begründet dann Emile Durkheim (1858-1917) die Soziologie und fast zur gleichen Zeit, aber etwas früher, entsteht sie auch durch Ferdinand Tönnies (1855-1936), der sich zu Beginn vor allem mit Thomas Hobbes (1588-1679) und Karl Marx (1818-1883) beschäftigte. Sowohl Durkheim als auch Tönnies ging es vor allem um die Abwehr der tyrannischen Staatsform, wobei mittlerweile die Begriffe Industrialismus, Sozialismus, Kommunismus und Kapitalismus noch auftauchten.
Aber es sei dieser Weg nicht verfolgt, sondern auf die fünfte Staatsform von Platon geblickt, eben die tyrannische Staatsform, die er wie folgt für alle Leser und Leserinnen <unglaublich> einführt:
>Nun haben wir noch die schönste Staatsform und die schönste Menschenform zu beschreiben, nämlich die Tyrannis und den Tyrannen.<
Sehr viel wurde dazu geschrieben, letztlich gab man sich damit zufrieden, dass Platon in Sizilien war und wahrscheinlich dort den Tyrannen Dionysios II zum guten Menschen bekehrt hätte, wenn dieser nicht vorher gestorben wäre. Wie dem auch sei, nach Platon führt die Demokratie, eine Staatsform ohne Grenzen, in die tyrannische Staatsform: "Das Volk floh vor dem Rauch der Knechtschaft unter Freien, wie das Sprichwort sagt, und ist nun in das Feuer der Despotie von Knechten hineingeraten. Statt in jene große unzeitige Freiheit sind sie jetzt in die härteste bitterste Sklaverei unter Sklaven gekleidet."

"Eros, der Gott der Begierde, von jeher ein Tyrann„ hat die Oberherrschaft gewonnen, das Leben wird wie im Spiel ... Feste und Aufzüge und Gelage und Freudenmädchen und all dergleichen."
„Die Verworfenheit nimmt zu, und diese sich dazu bekennenden Personen sind es, die im Vertrauen auf ihre Zahl mit der Torheit des Volkes jenen Tyrannen zeugen."
„Es gibt ein Oben, es gibt ein Unten und es gibt eine Mitte. Wenn nun von unten zur Mitte vorgedrungen wird, so ist relativ eine Höhe erreicht, aber das Oben ist dabei nicht unmittelbar in Sicht, andererseits ist es so, dass beim Zurückgehen tatsächlich nach unten gegangen wird. Der Philosoph orientiert sich ausschließlich am Oberen, der Tyrann jedoch am Unteren: Sklavische und schmarotzerhafte Lustgefühle hat er."
Mit diesen Feststellungen wird wieder auf den zurückgewiesenen Anfang gedeutet: Unrechttun sei vorteilhaft, wenn man in vollendeter Weise ungerecht sei, aber für gerecht gelte.

Ein weiteres berühmte Gleichnis wird aufgestellt, man konstruiere <ein vielgestaltiges und vielköpfiges Tier>, "einen Löwen„ und einen Menschen", um "sie herum bilde eine sich zusammenhängende menschliche Gestalt, die sie völlig einschließt. Wer nur das Äußere sieht und nicht ins Innere schauen kann, soll meinen, er habe nur ein Wesen, nämlich einen Menschen vor sich."
Die Zügellosigkeit verweist nun auf das <Untier>, die Hochmut auf den Löwen„ und das Tadellose auf den Menschen. Es kommt darauf an, Charakterstärken zu erreichen, "die dem Menschen im Menschen die höchste Kraft verleihen". Die Seele wird edel durch Besonnenheit, Gerechtigkeit und Einsicht, der Körper demgegenüber durch Kraft, Schönheit und Gesundheit. Diese Harmonie und Ordnung ist prima, aber "ist auf Erden gewiss nirgends zu finden, sondern lebt nur in unseren Auseinandersetzungen".

Zum Schluss geht es über die <nachahmende Dichtung> und angemerkt wird: "Nachahmung ist ein Spiel, nichts Ernstes". Nach weiteren Bemerkungen über nachahmende Tragödien und Komödien heißt es kurz: "Die Zeit vom Kind bis zum Greis ist doch im Vergleich zur Ewigkeit sehr kurz. ... Fühlst du nicht, dass unsere Seele unsterblich und unvergänglich ist?" Wie so oft wird orakelhaft angemerkt: "Alles, was zerstört und tötet, ist schlecht; was erhält und fördert ist gut." Dabei sei bedacht, es ist "die Zahl der Seelen ewig gleich, und bei den Seelen kann sich weder das Gerechte noch das Ungerechte vor den Göttern verbergen". Wer es nicht glaubt, kann den Bericht eines wackeren Mannes, namens Er vernehmen, der erzählen konnte, was er im Jenseits gesehen hatte. Der Bericht sagt u.a., Philosophen sollten sich <der Gerechtigkeit und Vernunft widmen>. Was kann ich nach einem solchen Gang sagen? Ach ja: "gut handeln und sich wohlbefinden".

noz

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