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"Die moderne Soziologie"

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REZENSION

Buch 1:
Talcott Parsons / Gerald M. Platt
Die amerikanische Universität
Ein Beitrag zur Soziologie der Erkenntnis
übersetzt von M. Bischoff

Suhrkamp; Frankfurt a.M. 1990

Original:
Talcott Parsons / Gerald M. Platt
The American University
with the collaboration of N.J. Smelser

editorial Associate:
J. Toby; Harvard University Press
Cambridge, Massachusetts 1974 (Original 1973)

Buch 2:
Talcott Parsons / Gerald M. Platt
The American Academic Profession
A Pilot Study

Supported by the National Science Foundation
Grant GS 513; 1968


Wenn etwas erstaunlich bei Parsons sein kann, dann dies: die empirische Studie von 1968 (Buch 2) ist die Grundlage der theoretischen Arbeit von 1973 (Buch 1). Da lässt sich fragen, warum sollte der Pfad von einer frühzeitlichen Vergangenheit (Buch 2) in eine neuzeitliche Vergangenheit (Buch 1) bemerkenswert sein? Darauf sei dann auch eine Antwort parat: Paradoxerweise vergaß die empirisch ausgerichtete Soziologie bei ihrer Kritik an Parsons Buch 2, und kurioserweise erwähnte es die theoretisch ausgerichtete Soziologie, aber ohne die Empirie (Buch 2) mit den Erkenntnissen (Buch 1) zu verknüpfen. Hier sei deshalb einmal der Versuch gewagt, die Besonderheiten von Parsons ein wenig zu erhellen. Mit Buch 1 und Buch 2 kann vielleicht zunächst einmal erkannt werden, dass Parsons mehr mit der Theorie und Platt eher mit der Empirie zu verbinden ist. Ein Blick in die beiden Bücher zeigt, dass dies nicht unwahrscheinlich ist. Es liegt somit eine soziologische Arbeitsteilung vor. Begonnen wurde das Projekt >amerikanische Universität< 1963, also in etwa um die Zeit von >Sozialstruktur und Persönlichkeit<.

Vor dieser Zeit beschäftigte sich Parsons empirisch hauptsächlich mit dem Rollenmodell >Arzt und Patient<, dann kommt ca. 1963 die Wende zum Rollenmodell >Dozent und Student<. Das erste Rollenmodell stützt sich auf die Kategorien >Gesundheit und Krankheit<, das zweite auf die Kategorien >alt und neu<. Die Untersuchungen zum ersten Rollenmodell erfolgten von Parsons nach seinem Erstwerk (1937); diese Ergebnisse gehen in seine Monographie >The Social System< (1951) ein. Ohne Mühe lässt sich erkennen, dass Parsons kein Arzt war, aber doch Patient sein konnte. Die damalige empirische Arbeit wies ihn vor allem auf die Bedeutung von Ferdinand Tönnies.

1963 ist Parsons der weltweit geachtete soziologische Theoretiker, den weder amerikanische Präsidenten noch Päpste ignorierten und schon gar keine Wissenschaftler bzw. Wissenschaftlerinnen. Nebenbei sei erwähnt, dass Parsons gar am Aufbau der BRD beteiligt war. Diese Person kommt also mit seinem soziologischen Hauptwerk (1964) auf die Idee, das Rollenmodell >Dozent und Student< zu bearbeiten. Selbstredend ist hier wohl, dass Studenten bzw. Studentinnen die >Jugend und Kinder< repräsentieren, demgegenüber die Dozenten bzw. Dozentinnen die >Älteren< und das >Alter<. Erwachen, um es nicht zu vergessen, sind normalerweise >Dozent und Student<.

Im Unterschied zum ersten Rollenmodell kann wohl schon erahnt werden, was sich änderte. Parsons war sowohl Student als auch Dozent, d.h. die >kleinen Betrügereien< des ersten Rollenmodells fielen weg. (Parsons erweckte damals mit seinem weißen Kittel bei Patienten den Eindruck, dass er ein Arzt sei.) Werden nun die Rollenmodelle >Arzt und Patient< bzw. >Dozent und Student< allgemeiner gefasst, so wird das Rollenmodell zu >Ego und Alter<. Im zweiten Fall ist es nun so, dass die konkrete Person von Parsons sowohl die Rolle von >Ego< als auch die Rolle >Alter< sein könnte, aber nacheinander bearbeitet wird, d.h. zunächst >Ego< (aktiv), dann >Alter< (passiv). Die Orientierung erfolgt nach dem ersten Zugriff. Vereinfacht gesprochen und für Parsons zur Zeit von 1973: Parsons (>Ego<) ist Dozent für Soziologie und Student der Nicht-Soziologie (>Alter<), bzw. Parsons ist nun Dozent (>Ego<) und war früher Student (>Alter<). Das zweite ist zeitlich kompliziert, das erste räumlich komplexer. Im ersten Fall könnte ja Parsons einem >Dozenten< (z.B. einem >Arzt<) gegenüberstehen (>Ego<) und er sich als >Patient< (z.B. >Student<) verstehen (>Alter<). Ohne dies weiter zu verkomplizieren, sei bemerkt, dass Parsons um 1963 zum ersten Mal ein Rollenmodell entdeckte, indem eine konkrete Person (also z.B. Talcott Parsons) sowohl >Ego< als auch >Alter< (archaisch: Yang und Yin) ist. Ein solches Kommunikationsmodell ist die Grundlage des Sozialsystems und Kern der >Integration<.

Der Knackpunkt sei ein wenig verdeutlicht. Weber bemerkt in sein «Definition» (>Wirtschaft und Gesellschaft< – Hervorhebung im Original): Soziologie hat etwas mit einem subjektiven Sinn zu tun; >»Soziales» Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinen von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist<. Dies war noch beim ersten Rollenmodell von Parsons >Arzt und Patient< der Fall, doch mit dem zweiten Rollenmodell >Dozent und Student< kann sich Parsons nicht nur auf andere beziehen, sondern auf sich selbst. Es verstand dies Elias (>Über die Zeit<), dass hier beim zweiten Rollenmodell von Parsons sowohl räumlich als auch zeitlich nachzudenken ist.

Die empirische Studie (Buch 2) lässt sich schwerlich verlassen ohne eine Mahnung an die Adresse der akademischen Soziologie. Parsons musste aus pragmatischen Gründen (z.B. wirtschaftliche, politische, kulturelle, soziale Zwänge) ausschließlich amerikanische Universitäten untersuchen, deshalb der Titel >Die amerikanische akademische Profession<. Jenseits von den USA ist keine Universität betrachtet. Aber es ist ein Irrtum zu glauben, dass sich im jeweiligen Diesseits viel einfacher anders vorgehen lässt. In der BRD sind gerade in der heutigen Zeit die Diskussionen um eine «Elite-Universität» noch nicht verstummt, es wäre ein Wunder, wenn Erhebungen sehr viel Neues zu Parsons und Platt (Buch 2) bieten können. Empirisch betrachtet gilt 1968 schlicht, dass das «Milieu» (Durkheim) auf die USA verweist.

Solche Überlegungen verändern sich im >Beitrag zur Soziologie der Erkenntnis<. Nun steht nicht mehr das empirische «Milieu» im Vordergrund (USA), sondern das theoretische «soziale Milieu», eben das Rollenmodell >Dozent und Student<, das auch jenseits vom empirischen Habitus existiert. Ein Wort zum Original und zur Übersetzung: der Titel des Originals legt Wert auf die «soziale Arbeitsteilung» (Durkheim), die Übersetzung verschiebt auf den Inhalt der Schrift. Letztlich ist es für Außenstehende angemessen, auch auf die Übersetzung zu blicken, denn das Original von 1973 eliminiert die Monographie von Parsons (1951). Im Klartext wird das Rollenmodell >Arzt und Patient< in den Hintergrund geschoben.

Dies ist deshalb beachtenswert, weil 1956 Parsons zusammen mit Smelser (>Economy and Society<) das Medienkonzept («Zeit») entwarf und 1977 u.a. Toby wegen der >Evolution< («Raum») jenseits der USA nicht mehr blicken wollte. Abgesehen davon, ist es so unschwer ja auch nicht zu verstehen, dass Parsons letztlich das Übertragungskonzept >Eltern und Kinder< («Gemeinschaft» – Tönnies) nun auf alle Rollenmodelle auszudehnen trachtete. Jedoch ist das Rollenmodell >Dozent und Student< («Gesellschaft» – Tönnies) doch anders. Das Rollenkonzept >Arzt und Patient< bleibt irgendwie in einer medialen (mittleren) Situation stecken. Ohne Umschweife sei erwähnt, dass Parsons bei vier Systemen (AGIL) eben auch vier Kerne benötigt, doch diese zu finden fiel ihm scher. Der vierte Kern ist eventuell der komplexeste, eben jener zwischen «Tag- und Nachttraum» (Bloch, Freud). Es wurde richtig gelesen, die vier Systeme in der Soziologie von Parsons bilden sich nicht irgendwie, sondern z.B. nach Yang und Yin (waagerecht) sowie z.B. nach Nacht und Tag (senkrecht). Die Soziologie, wenn man|frau sie denn definieren will, ist «dunkle Nacht», eventuell «Mitternacht», aber damit schon viel weniger «vieldeutig». Das, um es zu erwähnen, wurde auch Parsons 1973 (Buch 1) klar.

Mit allen nur erdenklichen Anstrengungen bemühte sich Parsons sein Paradigma 1 (>Das System moderner Gesellschaften< 1971) mit seinem Paradigma 2 (>The Structure of Social Action< 1937) zu verknüpfen. Aber es blieb ein Rest, so dass er in seinem Ruhestand noch das Paradigma 3 (>A Paradigma of the Human Condition< 1978) nachlieferte. Jedoch schafft es die Anzahl der Paradigmen nicht, vier Zellen eines Sozialsystems (AGIL-System) auszufüllen, ohne das etwas doppelt erscheint, d.h. ein Paradigma 4 fehlt. Der «Hohlraum» (Bloch) ist da. Jedenfalls ist es aber so, dass der weder mit der >protestantischen Ethik< (Parsons) noch mit dem «Atheismus» (Bloch) gefüllt werden konnte.

Es braucht ja nicht viel Erleuchtung, um zu ahnen, was nun passiert. Das Paradigma 1 hat als Grundlage das Rollenmodell >Dozent und Student< (Ausbildung), Paradigma 2 stützt sich auf das Übertragungskonzept >Eltern und Kinder< (Erziehung) und Paradigma 3 auf das Rollenmodell >Arzt und Patient< (Normalität). Nach allem, was so bis 1973 geschrieben wurde, fällt es so schwer dann auch nicht, das Paradigma 4 mit dem Übertagungskonzept «Heilung (Freud) und Hoffnung (Bloch)» zu assoziieren. Parsons geht es 1973 (Buch 1) ausschließlich um die Verbindung von Paradigma 1 und Paradigma 2, etwas später (1978) geht es ihm um die Verknüpfung von Paradigma 2 und Paradigma 3. Dann schweigt Parsons für immer.

Parsons hat viel geleistet, und im Laufe der Zeit ist es ein Leichtes, doch noch die alltäglichen Anstrengungen von ihm zu würdigen. Die >Jugend> kann so Manches von den Älteren lernen, denn so ohne Weiteres sollten nicht immer die >Erkenntnisse< der Alten von den Jungen ignoriert werden. Andererseits tun sich doch die Alten mit den Ergebnissen der Jungen schwer. Ohne ins Detail zu gehen, erinnere ich da an Zukunft in Gegenwart mit Vergangenheit, eben an die «Genetik».

Parsons denkt 1973 (Buch 1) optimistisch an Universität, und er bemerkt dort >Bildung (A), Praxis (G), Forschung (L) und Intellekt (I)<. Interessant ist schon, wie er >Professionals<, akademisch ausgebildete Personen, sieht. Jenseits aber von >Universität<, gar von der >amerikanischen Universität<, gibt es auch noch Leben, das er aber pessimistisch bewertet. Verkürzend sei gesagt, dass es nicht nur die >Harvard Universität< gab und gibt, >Dozenten< immer noch Menschen sind, und die >Studenten< letztlich nach Bloch das «In-Möglichkeit-Seiende» ausmachen.

Wer einmal nachlesen möchte, wie eine idealtypische Universität oder eine «Elite-Universität» funktionieren muss oder sollte, der wird an Parsons (Buch 1) nicht leicht vorbeikommen. Ein anderes Problem ist, dass Parsons vergessen hat, darüber nachzudenken, wie dies alles mit Soziologie zu verknüpfen ist. Können Soziologen/ Soziologinnen >Allgemeinbildung (A), Ausbildung (G), Forschung (L) und/oder Intellekt (I)< haben und/oder sein bzw. ist dies zu fördern und/oder zu fordern? Nach Parsons sollte Soziologie vor allem >Integration (I)< und/oder >Beiträge zu gesellschaftlichen Situationsdefinitionen< beachten. Es erübrigt sich hier (Buch 1), darauf hinzuweisen, dass Parsons 1973 (Buch 1) nicht mehr so recht weiß, was eigentlich Soziologie war, ist oder sein wird.

Parsons dürfte anzurechnen sein, dass er darauf verweist, dass nach dem >Totemismus< (Religion) die >Gesellschaft< (Staat) das Regiment übernahm. Doch in der Gegenwart regiert in der Realität der funktionalen Differenzierung die >Wirtschaft<. Durchaus ist >Wirtschaft< mit fehlerhaften oder verdrehten >kybernetischen Beziehungen< behaftet, welche sich als >Inflation< bzw. >Deflation< bemerkbar machen. Idealtypische Betrachtungen (Buch 1) jedoch können nur die Normalität eines zugrundegelegten empirischen Milieus (Buch 2) in etwa prozesshaft andeuteln und erahnen lassen. Probleme, so Parsons, müssen, wollen und können nur in der >Ausbildung der Jugend< korrigiert werden. Da tauchen aber schon am regressiven Horizont Rousseau (>Über die Erziehung<) und Nietzsche (>Geburt der Tragödie<) auf: Wer erzieht die Kinder, und was erzieht den Erzieher? Parsons, um es gesagt zu haben, verstand diese Probleme nicht. Er erlebte sich darin, dass ihn einige Schüler bzw. Schülerinnen sowohl gar nicht und angeblich als auch wirklich und rational mochten.

Es beschränkt sich Parsons (Buch 1) auf Bereiche wie >Wissen, Rationalität, Lernen, Kompetenz, Intelligenz<, d.h. er hat Angst davor, mit Emotionen, Gefühlen oder Affekten zu operieren. Wenn etwas wahr ist an Webers Wissenschaft so dies, dass man|frau sich selbstherrlich damit vor der eigenen Verantwortung drücken kann. Verstehe man dies nicht falsch, denn Parsons ist 1973 schon fast eine Institution für die akademische Soziologie. Konkreter sei es auch gewendet: eine «Elite» mit Sitz an der >Harvard-Universität< hat es sich nie nehmen lassen, die Zukunft der USA rosig auszumalen. Parsons interessiert sich dafür hier (Buch 1) nicht direkt primär, sondern wichtig ist zunächst einmal das Verhältnis zwischen >alt und neu<.

Elias (>Über die Zeit<) war einer der ersten Soziologen, der darauf hinwies, dass das Rollenmodell >Dozent und Student< (eben mit dem Übertragungskonzept >Eltern und Kinder<) nicht zwei, sondern drei Generationen umfasst. Aber auch dies ist nicht so ganz korrekt, denn das Modell erfasst zweimal in unterschiedlicher Art und Weise drei Generationen: 1) Vergangenheit + Dozent + Student, und 2) Dozent + Student + Zukunft, d.h. das Rollenmodell >Dozent und Student< ist 3) ein Synonym für >Gegenwart<. Damit tauchen auch schon die sozialen Probleme auf: I. der >Dozent< kann nicht korrupt, entfremdet, verfälschend und lügend sein; II. der >Student< muss tradiert, träge, glaubend und nicht erneuernd sein; III. der >Dozent< will wissen was «echt, recht und wahr» ist; IV. der >Student< hat redlich und gewissenhaft «amerikanische Werte (>WASP = weiß, angel-sächsisch, Protestant<)» internalisiert (verinnerlicht). Einerseits ist dies für so manche Denker und Lenker eine Zumutung, andererseits ist dies ja nur eine >Ethik< wie die «Genethik».

Orakelhaft heißt es dann bei Parsons weiter, dass jede Ausbildung am Horizont des >Dozenten< scheitert. Für den >Studenten< bleibt dabei herauszufinden, ob der Horizont a) vor oder hinter dem >Dozenten< liegt, bzw. b) was betrachtet der >Dozent<: Morgendämmerung oder Sonnenuntergang? Es könnte sein, dass es am >Dozenten< liegt, >das Neue< zu erahnen, und dem >Studenten< es dann bleibt, >das Alte< zu akzeptieren. Was aber ergibt sich, wenn nach dem drei Generationenmodell plötzlich der >Student< (Elias) oder die >Jugend< (Bloch) oder gar die >Gegenwart< (Stark) in die Mitte gerückt wird?

Ein paar ernste Worte seien nicht ignoriert. Mit der Schrift >Die amerikanische Universität< berührt Parsons die Ausbildung, d.h. es sei nicht so getan, als ob hier nur die >Universität< zu bedenken ist. Jenseits davon und diesseits im Leben ist Vieles mitzubedenken. Ferner sei darauf hingewiesen, dass >Die amerikanische Universität< als Idealfaktor oder >Idealtyp< erscheint, aber letztlich mit der Ignoranz des empirischen sozialen Milieus (>Realfaktor<) wenig darüber ausgesagt ist, was es Gutes bzw. Böses zu vermelden gibt.

Wer es ganz genau wissen will, dem sei verraten, dass man|frau über das Rollenkonzept >Dozent und Student< sowie mit dem Übertragungskonzept >Eltern und Kind< (der Begriff «Doktorvater» deutet es an) bei Parsons zur Verknüpfung von Paradigma 1 (>Das System moderner Gesellschaften<) und Paradigma 2 (>The Structure of Social Action<) kommt. Wer dies noch weitertreiben möchte, müsste das Rollenmodell >Arzt und Patient< hinzunehmen, um auf das Paradigma 3 von Parsons zu stoßen. Damit endet die akademische Soziologie.

Wie gut, dass es noch andere Personen gab, die sich weder vor dem nächsten Tag noch wegen der vorhergehenden Nacht fürchteten. Gäbe es doch sonst jenseits von der klassischen Soziologie und im diesseits der akademischen Soziologie nur noch Zuneigung (z.B. Habermas) und Abneigung (z.B. Luhmann) zu einer «amerikanischen Elite». Das erste vergisst im «herrschaftsfreien Diskurs» ein wenig die universitären Fähigkeiten zu Tarnkappenbombern, das zweite ignoriert das Menschliche in «sozialen Systemen». Zu bezweifeln ist sicherlich nicht, dass man|frau mit Ethiken herumeiern kann, ohne an die «Moral» zu denken. Schon Nietzsche ärgerte sich so gewaltig über Rousseau, dass letztere Person die «Moral» nicht ignorierte, so dass die erstere ihn als «Canaille» abstempelte. Universität (>Elite<) im Sinne der veralteten Soziologien ist Religion (>protestantische Ethik<) und Staat (>Weltmacht<) gepaart mit Wirtschaft (>Kapitalismus<).

Das ist sogar für Parsons (Buch 1) kein Weg in die «Globalisierung» (Ziel), sondern eher eine Mahnung an die Soziologie, «soziale Katastrophen» (>Das System moderner Gesellschaften<) nicht unbedacht zu lassen. Wenn überhaupt mit «Hoffnung» (Bloch) eine «gute Gesellschaft» (Parsons) anzuvisieren ist, dann lediglich mit der >Integration<, so Parsons. Von Vergangenheit (Großeltern) in Zukunft (Enkel) dafür sollten >Eltern und Kinder< (Gegenwart) Sorge tragen. Den «Sprung ins Neue» (Zukunft) mit dem >Kommunismus< (Marx) zu wagen, ist nach vergangenen Erfahrungen nicht unbedingt erfolgsversprechend. Parsons erahnt das «Neue» eher mit einem Blick auf >Bildung<. Schaden kann es in der Tat nicht, wenn auf dem «Weg» das «Bewusstsein» wenigstens ein kurzer Begleiter wird. Jedenfalls braucht man|frau dann nicht allzu oft ein Gespräch mit seinem eigenen «Schatten» bzw. mit den anderen «Wächtern» überzstrapaziert zu werden. Ein wenig tut Not, dass im Rollenmodell >Dozent und Student< oder im Übertragungsmodell >Kind und Erwachsener< das eigene Erleben nicht ignoriert ist.

Damit sei auch gesagt: dem >Dozent< sei empfohlen, sich zu erinnern und manches zu vergessen, dem >Student< sei zugerufen, er ist Kraft der Alten und die Hoffnung für Zukunft. 1973 schreibt Parsons nicht einfach ein Buch, sondern es ist schon mehr eine Kommunikation mit der Zukunft aufgrund seines Diskurses mit der Vergangenheit. In der Gegenwart, so Parsons, sei gesagt, dass der >Dozent< sich um die Minimierung seiner Fehler bemühen muss, der >Student< dagegen sollte wollen, die Bemühungen zu bejahen. Dies wiederum kann nicht gelingen, wenn «soziales Mitgefühl» eliminiert wird.

Ein starkes Buch 1 von Parsons. Es wurde letztlich logischerweise von der klassischen Soziologie nicht gekannt und von der akademischen Soziologie nicht verstanden, weil dort ja frei nach Weber immer nur das Nicht-Ich mehr oder weniger verantwortungslos bzw. verantwortungsbewusst analysiert werden konnte. Mit allen Regeln der Mathematik und Astrologie und Physik und Chemie und Biologie usw. wurde versucht mit Kunst oder anderen Dingen zu begründen, dass der >Dozent< gefunden hat, was überhaupt kein Kind, kein Enkel, kein Urenkel, kein Ururenkel etc. ohne ihn zu finden imstande ist. Übersehen wurde dabei, dass das Rollenmodell >Dozent und Student< letztlich auch immer getragen wurde von einer «affektuellen Intelligenz» und nicht von einer Rationalität mit der Ursache «Wille zur Macht». Anders gesprochen: >Dozent und Student<, >Lehrer und Schüler<, >Ausbilder und Auszubildender< können in ihrer gemeinsamen Gegenwart voneinander ein Miteinander erfahren oder sich auch als Antipoden verstehen. Das letzte, so Parsons, ist nicht wünschenswert wegen der vielen positiven Möglichkeiten des sozialen Verhältnisses, aber doch nach Blochs «Prinzip Hoffnung» nicht gänzlich zu ignorieren, weil ja kein «Gänsemarsch» (Bloch) in die >Freiheit< führen kann. Ein wenig Individualität will schon da sein, um Blödsinn nicht verfallen zu müssen.

noz

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