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REZENSION
Talcott Parsons
Ein Paradigma der menschlichen Bedingtheit
A Paradigm of the Human Condition
in: Talcott Parsons
Action Theory and the Human Condition
S. 352-433
The Free Press; New York, London 1978
Alle engeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Parsons bestätigen, dass um 1961 das Paradigma der menschlichen Bedingtheit von ihm schon gelehrt wurde. In der Tat, die Schriften von Parsons bestätigen dies. Es ereignete sich aber zu dieser Zeit ein Unglück und erst 1978 fand dieser Forscher die Kraft, für wissenschaftlich Interessierte dieses Paradigma auszuarbeiten. Will man oder frau es dann verstehen, wird vor allem das Buch >Sozialstruktur und Persönlichkeit< (siehe Rezension Parsons) benötigt.
Zunächst sei begonnen mit der Übersetzungsarbeit. Die >Konvergenz von Freud und Durkheim< bedeutet mechanische Solidarität und organische Solidarität; die >Kongruenz von Wiener und Durkheim< demgegenüber Kommunikation und soziales Milieu. Findet man oder frau in Schriften über Parsons diese Zuordnung nicht, sollte man sich sagen, dass die betreffenden Autoren oder Autorinnen vielleicht prima Englischkenntnisse hatten, aber es waren schlechte Übersetzer.
Das Paradigma der menschlichen Bedingtheit ist der letzte Aufsatz in einem zweibändigen Sammelwerk. Der erste Band heißt: Soziale Systeme und die Entwicklung der Handlungstheorie, der zweite Band: Handlungstheorie und die menschliche Bedingtheit. Nehme man oder frau jetzt noch Sozialstruktur und Persönlichkeit (Soziologie) hinzu, ist bereits Parsons&Mac226; Lebenswerk entfaltet: Paradigma 1 = soziale Systeme; Paradigma 2 = Handlungssysteme; Paradigma 3 = menschliche Bedingtheit; Paradigma 4 = Soziologie. Das letzte Paradigma fehlt (siehe Rezension Tönnies). Dies heißt im Klartext, die Soziologie von Parsons ist nicht sehr oft von den >Etablierten< erblickt worden.
Hier nun geht es um das Paradigma 3. In dem Aufsatz ist die große Frage, wie Kultur und Körper zusammenpassen. Anders gefragt, wo findet sich der Schnittpunkt zwischen Anthropologie und Genetik. Spätestens seit Juni 2000 hätte man oder frau es wissen können, er findet sich bei den Begriffen >Symbol< und >Genom<. Parsons lag mit seinen Vermutungen nicht so sehr daneben. Nach dem verkorksten >Paradigmawechsel< von Habermas (Theorie des kommunikativen Handelns) und der verfälschten >Theoriekrise< von Luhmann (Soziale Systeme), kann nun, wie Parsons optimistisch vorhersagte, die neue Phase beginnen.
Aber zunächst einmal alle vier Axiome von Parsons im Schnelldurchgang: Paradigma 1 = Gemeinschaft, Gesellschaft (Tönnies); Paradigma 2 = normal, pathologisch (Durkheim); Paradigma 3 = Wesenwille, Kürwille (Tönnies); Paradigma 4 = mechanische Solidarität, organische Solidarität (Durkheim). Zweimal Tönnies, zweimal Durkheim und fertig ist die Sozialsystemtheorie.
Bleibt die Frage, wie man zur interdisziplinären Forschung kommt, nun dieses Problemchen löst >Der soziale Bund< (Werner Stark). Da könnte vielleicht noch ein erstauntes Hin- und Herblicken sein, wo denn plötzlich das Ganze oder die soziologische Theorie geblieben ist. Ja, die findet man oder frau in der >Wissenschaft von der Moral< (siehe Sammelrezension Durkheim).
Wieso hat Parsons das nicht gelöst? Weil er sich an den Tiefen (deeper structures) und Höhen (surface structures) oder an Rousseau und Nietzsche mit Freud vorbeimogeln wollte. Aber das ist eine andere Geschichte. Auf ein gutes Forschen und Kreativität miteinander.
noz
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