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REZENSION
Buch 1
Lao Tse Tao Te King
Textgestaltung und Einführung: R. Backofen
Herausgeber: W. Zimmermann
Verlag Frankhauser; Thielle/Neuchatel (Schweiz) 1949
Buch 2
Lao-Tse Tao Te King
Übersetzt und kommentiert von V.v. Strauss
Bearbeitung und Einleitung von W.Y. Tonn
Manesse Verlag; Zürich 1950
Das erste Merkwürdige an diesem Buch dürfte wohl sein, dass, wenn frau oder man es denn in einem Laden kaufen wollte, eine Schrift mit dem Titel Dau Dö Ging verlangt werden könnte. Würde irgendeine es verkaufende Person daraufhin das Tao Te King hervorzaubern, so weiß diese schon mehr als manche Studierende. Sollte die Person auch noch dazu sagen, dass man bzw. frau den Titel ruhig hätte auch falsch aussprechen dürfen, um es zu ordern, denn schließlich wurde das Buch in chinesischen Schriftzeichen verfasst, aber nicht in heute verständlichen, sondern in archaischen Hieroglyphen, dann wäre die es erhaltende Person schon auf Wichtiges vorbereitet.
Die Schrift, so nimmt man an, stammt von Lao-Tse und im hier aufgeführten Buch 1 wird der Text dem 5.Jh.v.Chr. und im Buch 2 dem 3.Jh.v.Chr. zugeordnet. Also um deren Entstehung ranken sich Geschichten. Lao-Tse heißt nicht wie Homer >Der Blinde<, sondern >Der Alte<. Beide Bezeichnungen weisen auf etwas hin. Bezüglich Homer meinte z.B. Nietzsche, dessen Attribut deutet auf das Individualbewusstsein, Stark z.B. sagt, dessen Attribut verweist auf das Kollektivbewusstsein. Bezüglich Lao-Tse findet sich eine ähnliche Diskrepanz, in manchen Büchern, wie auch in den hier vorgestellten, wird eine konkrete Person vermutet, doch in neueren Werken wird darauf verwiesen, dass Lao-Tse eine Gattungsbezeichnung ist.
Das zweite Merkwürdige ist, dass wenigstens zwei Versionen gelesen werden könnten, aber in der Tat gibt es viel mehr Übertragungen und, so fiel mir auf, alle haben ihren Reiz. Warum ich mich für die obige Rangfolge entschieden habe, sei gleich erwähnt. In vielen Ausführungen wird bemerkt, das Tao Te King besteht aus ca. 5000 chinesischen Zeichen. Im Buch 1 und in neueren Werken wird dies berücksichtigt, im Buch 2 demgegenüber wird angemerkt, Lao-Tse hätte >ein Buch in zwei Teilen< hinterlassen.
Aber dies ist nicht der einzige Grund, weshalb ich Buch 1 voranstellte. In der Aussprache >Dau Dö (De) Ging< ist nämlich die Nähe zum I Ging, Das Buch der Wandlungen verborgen und in Buch 1 wird darauf vorbereitet. Ohne Zweifel spielen die beiden Prinzipien Yang (z.B. das Männliche) und Yin (z.B. das Weibliche) eine wesentliche Rolle, die in ihren Ausprägungen im Buch der Wandlungen dargestellt werden und das zählt >zu den wichtigsten Büchern der Weltliteratur<. Aber, wie gesagt, schaden tut es nicht, wenn man Buch 2, das Max Weber (Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I) so >genial< fand, liest.
Die dritte Merkwürdigkeit findet sich schon in den ersten beiden Zeilen von Lao-Tse, dazu erst Buch 2, dann Buch 1:
Buch2:
"Tao, kann es ausgesprochen werden,
ist nicht das ewige Tao."
Buch 1:
"Das Unergründliche, das man ergründen kann,
ist nicht das unergründbar Letzte."
Nun habe ich mir noch mehrere Anfänge angesehen, und man oder frau wird es kaum glauben, in jedem Buch scheint ein neuer Anfang gefunden werden zu müssen. Deshalb sei auch empfohlen, einen eigenen zu finden. >Tao< heißt u.a. >Weg<, >Te< vielleicht auch >Herz<.
Nenne man bzw. frau es einfach Das-Weg-mit-Herz-Buch, Dau De Ging ist vielleicht noch zu modern, zu finden ist es auf jeden Fall unter Tao Te King. Wer dann nach Webers Definition meinen muss, Tao ist >vieldeutig<, der kriegt es vielleicht nicht, weil dann z.B. ein Verkäufer eben auch viel anschleppen kann, nur nicht das richtige Buch.
Damit bin ich auch schon bei der vierten Merkwürdigkeit. Nur ein Zufall würde es ermöglichen, genau die wahre, echte oder rechte Übersetzung doch noch zu erhalten. Mit dieser Schrift hat man oder frau nur ein Buch in den Händen, dass lediglich aus ca. 5000 Zeichen besteht, aber in Wirklichkeit mehrere Millionen Seiten umfasst.
Tao Te King ist ein gigantisches Werk, eben immerhin >das Alte<.
noz
Anm. des Hg.:
Nebenstehende amazon-Links verweisen neuerlich auf andere Ausgaben der Schrift Lao Tse´s. Die von Norbert Zander besprochenen Editionen sind im Buchhandel aktuell nicht erhältlich.
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