|
|
REZENSION
Antoine de Saint-Exupéry
Die Stadt in der Wüste {Citadelle}
Ullstein; Berlin 1998
Antoine-Marie Roger Graf von Saint-Exupéry (1900-1944) ist der Autor, der während des Zweiten Weltkrieges das Büchlein >Der kleine Prinz< schrieb. Heute steht Saint-Exupéry nicht mehr in den Bestsellerlisten, aber trotzdem besitzt er wegen seiner Humanität einen Weltruhm. Er gehörte zur französischen Luftwaffe und wurde vermutlich 1944 abgeschossen. Zurückgeblieben sind u.a. >La Citadelle< und die 1998 gefundenen Teile des Flugzeugs sowie seine Armbanduhr. Also noch viele Jahre nach seinem Tod ist dieser Autor bedacht, und er wird noch gesucht.
>Die ersten Seiten dieses Werkes wurden im Jahre 1936 geschrieben<, mancher Sinn bleibt dunkel und veröffentlicht wurde ein posthumes Buch von ca. 600 Seiten. >Dieses Werk, das die Summa Saint-Exupérys darstellt und seine über mehrere Jahre sich erstreckenden Meditationen zusammenfasst, wurde uns in Gestalt von unvollständigen und größtenteils unleserlichen Konzepten und von neunhundertfünfundachtzig [985] Schreibmaschinenseiten hinterlassen<. Soweit nun diese Einführungen, noch mehr über den Autor lässt sich z.B. im Internet finden, denn er wird auch mit der «Analyse des modernen Lebens» verknüpft.
Leicht ist es nicht immer, dem «Idealismus» und/oder «Positivismus» auf die Sprünge zu helfen, aber im Falle von >La Citadelle< hilft bereits die zweite Seite des Buches. Dort steht nämlich >Über das Buch< u.a.: >Weder Roman noch Tatsachenbericht, lässt die visionäre Dichtung wegen an Nietzsches >Also sprach Zarathustra< denken<. Da halte man|frau einmal inne und erinnere sich. Nietzsche könnte über den Erzieher reden, Rousseau wollte über das Kind sprechen, müsste da nicht Saint-Exupéry etwas anderes meinen? Genauso ist es. Saint-Ex schreibt darüber, wie oder was das Kind von den Eltern gelernt haben könnte.
Gerade weil ich Saint-Exupéry schon bezüglich Luhmann (siehe Rezension) erwähnte, will ich dies nicht weiter verfolgen. Es sei lediglich bemerkt, dass ich mich aufgrund dieses Werkes letztlich entschieden habe, für die neuzeitliche oder moderne Soziologie den Begriff «Konvergenz» (vgl. Parsons 1928 - 1979) wegen des Missbrauchs in der akademischen Soziologie aufzugeben. Im Sinne von Freud und zu Ehren von Saint-Exupéry spreche ich vom >Knoten<.
Da kann man|frau es halten wie es beliebt. Entweder wird z.B. das impotentiale Kleben an den archaischen neun Zeilen von Weber (>Wirtschaft und Gesellschaft<:1) versucht zum perfektionierten Blödsinn herauszuposaunen, oder der idealistische Individualismus/ Kollektivismus vergeht sich mit dem Alles oder Nichts über vieldeutige Kontingenzen selbst am Telefonbuch irgendeines Milieus.
Nach Saint-Exupérys >Summa< bin ich weit entfernt von dem Glauben, dass einige verstanden haben, was Väter oder Mütter lehrten. Schon gar nicht hat «deutsche Ideologie» begriffen, was Saint-Ex erwähnt: >Die Tugend ist die Vollkommenheit im Zustand des Menschen und nicht Mangel an Fehlern<.
Wer noch nicht ganz verstehen kann, weshalb ich dieses Buch aufnehme, dem sei soviel gesagt: Jedes Kind sollte sich nicht anbiedern müssen, sondern seine Freiheit finden wollen, was mit der «vita activa» geschehen kann. Das Nachdenken (vita contemplativa), auch wenn es von so manchen verdammt wird, ist ein Weg. In diesem nachdenklichen Sinne empfehle ich weder mit bösen noch mit guten Gründen wärmstens dieses Buch.
noz
|