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"Die moderne Soziologie"

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REZENSION

René Descartes
Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung

Reclam; Stuttgart 1998


70 Seiten von René Descartes (1596-1650) und man bzw. frau hat nicht nur einen Meilenstein oder Wendepunkt der Philosophie gelesen, sondern ist auch wieder im Bilde, um mit Wahrheiten umgehen zu können. Die Neigungen von Descartes entfernen sich von Plänen, >die den einen nützen können, indem sie den anderen schaden<. Er ist jene Person, die auch heute noch Kinder über das Koordinatensystem oder über das kartesische Produkt kennen und lernen, und die Erwachsene wegen seiner Figurationen bestaunen, denn er war u.a. mit Thomas Hobbes und dem Vater von Blaise Pascal bekannt. Vom Sohn stammt der Ausspruch >Es gibt Wunder<, von Hobbes >Kampf aller gegen alle<, und von Descartes >Ich denke, also bin ich<. Das erste konnte selbst Descartes nicht erkennen, das zweite hat er übersehen, mit seinem Ausspruch weist er u.a. darauf hin, dass es eine >Narrheit< ist, Sokrates und Platon zu verwechseln. Es sei deutlicher übertragen: Gehe man oder frau nie davon aus, wenn z.B. Nietzsche oder Weber >es nicht selbst veröffentlicht< haben, ihnen Worte oder Schriften zuzuschreiben. Um diese Einsicht zu erlernen, empfiehlt Descartes, im >Buche der Welt< und >in mir selbst zu studieren<.

Manchmal sind es nur gewöhnliche Darstellungen und der Hang als Beispiel oder Vorbild zu leiten, die dazu ermuntern möchten, >Mehrheiten< zu fangen, obwohl dies die geringsten Erklärungen sind, >wenn es sich um Wahrheiten handelt<. Die >Lullische Kunst< ist nicht mehr, als sich in Verwirrungen und Dunkelheiten zu verlieren. Besonnenheit vermeidet >Übereilung und das Vorurteil<, Redlichkeit sucht angemessene Lösungen. Das Studium beginnt normalerweise mit dem Einfachen und steigt auf bis zum Komplexen, wobei sich das Wesentliche nicht zeigt, wenn willkürliche Auslassungen erfolgen. Werden diese >Regeln< beachtet, so lässt sich leichter, wenn die wahren Erkenntnisse nicht zu finden sind, den wahrscheinlicheren folgen. Dabei ist vorrangig, dass vor allem die eigene >Vernunft< ausgebildet wird. Die Sinne täuschen, im Urteilen kann sich getäuscht werden, deshalb sollte man bzw. frau auch berücksichtigen, >dass alle Gedanken, die wir im Wachen haben, uns auch im Schlaf kommen können<. Damit ist dann auch ein Punkt erreicht, den Freud (>Traumdeutung<) vertiefte.

Bei Descartes ist das Ich, es heißt >Seele<, bewusst, und man bzw. frau hat, um zu denken, zu >sein<. Vollkommenheit ist >Gott<, aber eine >metaphysische Gewissheit< ist ohne Zweifel nicht zu haben. Das Prinzip von Descartes stützt sich demnach auf das >Dasein Gottes< und auf das >Ich<, aber dies ist auch eine >Theorie vom Licht<. Sie reicht von den leblosen Körpern über Pflanzen und Tiere zum Menschen. Erst sehr viel später taucht die Humanwissenschaft in diese Diskussion wieder ein, d.h. Genetik, Biologie, Medizin, Sozialwissenschaften und Philosophie berühren diese Themen wieder. Es geht dabei um nichts Geringes, eben um >die Wirkungen aus den Ursachen zu erklären<. Aber was sind die Ursachen? Einige denken, sie sind der Vergangenheit zu entnehmen, einige meinen, sie sind mit der Zukunft verknüpft, einige vermuten, sie entstehen in der Gegenwart. Was sind die Wirkungen? Sie können Bedingungen, Normen, Mittel oder Zwecke sein, aber auch nicht. Da mag der Hinweis von Descartes gar nicht unwichtig sein, dass er sagt, die >Entstehung der Lebensgeister< geht vom >Herzen ins Gehirn<.

Mit dem Herzen berührt er die >Theorie der Bewegung< und diese wiederum berührt im 20. Jh. die Medientheorie von Parsons oder allgemeiner das Problem der Kommunikation (siehe Rezension Upanishaden). Es sei auch versucht, es deutlicher zu sagen: mit der Sozialsystemtheorie (siehe Rezension Parsons) und ihrer Abstraktion zum AGIL-Schema dreht sich so vieles um die >Regeln der Medizin<. Descartes hat sich von der Vernunft überzeugen lassen, aber so fügt er hinzu, dies führt auch dazu, dass er >unmöglich mit allen verschiedenen Ansichten anderer übereinstimmen< kann. So ist es, es sind >Schlachten< zu bestehen, um die Wege zur Wahrheit nicht zu verlieren.

Jede Vernunft überschreitet die Gegenwart, so Descartes, womit er aber ganz bestimmt nicht behauptet, dass sich nun alle in gewöhnliche Zukunftsvisionen tummeln müssen. Jedenfalls nicht unwesentliche Erkenntnisse hat selbst Descartes seiner Vergangenheit zu verdanken. Wenn denn da gemeint wird, wegen Descartes auf die >Idee des Dreiecks< oder auf die Idee einer Geraden oder auf die Idee eines Punktes zu verweisen, so sei daran erinnert, dass das Koordinatensystem aus der Schülerzeit noch immer vier Quadranten besitzt. Ein solches System darf als >cartesianisch< angenommen werden. Die Wege vom einfachen (Descartes) zum komplexen (Einstein - siehe Rezension) System sind nicht nur eine Regel für Descartes. Bei einer Reduktion der Komplexität allerdings könnte schon alleine der Verstand bemerken, dass es >wegen der Dunkelheit< nicht leicht ist, sich vor Fallstricken zu hüten.

Das wenige Viele von Descartes ist auch eine Warnung, dem >Chaos< nicht zur Macht zur verhelfen und dem >Feuer ohne Licht< nicht zu verfallen. Sollte dann irgendwann einmal ein Mensch Schüler oder Schülerin gewesen sein, so muss ein solcher Mensch als Erwachsener nicht unbedingt auf die Idee kommen zu verkünden, das ab sofort das Koordinatensystem nicht mehr vier Quadranten besitzt. Es hilft den Enkeln oder der Zukunft, wenn man oder frau ein wenig bei der Wahrheit bleiben. Wem die Vernunft noch etwas bedeutet, aber manchmal der Verstand bei einigen zu suchen ist, dem sei dieses Buch empfohlen.

noz

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