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"Die moderne Soziologie"

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REZENSION

Hannah Arendt
Vita activa oder Vom tätigen Leben

Piper Verlag GmbH; München 1999


Mache man oder frau sich nichts vor, das auf dem Buchmarkt aktuelle Thema um das Verhältnis von Heidegger und Arendt ist so wichtig, wie «ein Eimer Wasser, der in Köln umkippt». Heidegger ist eine jener Personen, die deppenhart, skrupellos und umnachtet bedenkenlos mit Sinn den Namen von Nietzsche missbrauchten; zwei weitere Namen sind Simmel und Weber. Hannah Arendt ist die Frau, deren Hilfe beim >Eichmann Prozess< in Anspruch genommen wurde und die von der >Banalität des Bösen< sprach. Ihr Hauptwerk ist The Human Condition, zu deutsch Vita activa oder Vom tätigen Leben. Dieses Buch stelle ich vor. Wer es mag, sich in Seitensprüngen oder verschiedensten Vorstellungen von sexuellen Stellungen von Anderen zu tummeln, wird es nicht leicht haben, Spaß und Ernst zu trennen. Jedenfalls sind die Briefe sowie das Verhältnis zwischen Heidegger und Arendt wieder interessantes Lehrmaterial für kurios Biografisches, aber auf gar keinen Fall eine Möglichkeit der Annäherung zwischen dem Bösen und der Verzweifelten. Ich behaupte sogar, dass ohne die Kenntnis von Vita activa jeder Erklärungsversuch bezüglich des Dritten Reiches wesentliche Aspekte ausklammert.

Vita activa ist sehr erst. Es ist das Buch, das sich um >Versprechen, Verzeihen<, >Mutterschoß, Erdenschoß< dreht. Da ich gebeten wurde, mich deutlicher auszudrücken, will ich es hiermit auch tun. Hannah Arendt (1906-1975) thematisiert in ihrem Buch das gebrochene Versprechen und das instrumentalisierte Verzeihen, womit ihre Hoffnung der Tod bleibt. Sie beweint die Korruption der Muttersprache und verzweifelt an der Liebe zum Vaterland. Hannah Arendt hatte keine Kinder, sie wurde als Tochter belogen, von der Mutter nicht aufgeklärt, vom Vater nicht geliebt. Da mag gedacht sein «oh, wie traurig», aber die Mutter ist hier die Alma Mater, die Universität, und der Vater der Lehrer, das Versprechen ist die >gute Hoffnung< und das Verzeihen die >Solidarität<. Hannah Arendt kommt zu dem Schluss, dass das >tätige Leben< am höchsten ist, wenn das Nachdenken weder verschüttet noch aufgegeben wird.

Damit ist dieses Buch ein ganz besonderes >Kinderbuch<, denn ihre Kinder wurden die Menschen, das in etwa sagt: Liebe Kinder, das Leben besteht aus Gefühl und Denken, mit Gefühl und Nachdenken werdet ihr aktiv, nur mit Verstand werdet ihr passiv. Ohne alles werdet ihr alleine nur noch den Medien oder der Propaganda oder der Werbung folgen können, was zur Verblödung führt. Ist dies schon deutlich genug, so führt euch hoffentlich nicht die Sucht in noch schlimmere Verhältnisse. Vergesst einfach manches und scheut euch stattdessen nicht nachzudenken (Vita contemplativa).

Das ist erstaunlich. Ein Mann, Max Weber, attackierte mit geradezu spitzer Feder und mit Vehemenz die vita activa (Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I) und selbst namhafte Personen nach ihm fanden darin ihren Kern. Man hat weder begriffen noch verstanden, dass eine solche Art und Weise von Arendt heftig attackiert wurde. Hannah Arendt sagt über Webers Ansichten, dass diese nur dem >Herstellen< diene oder den Einschaltquoten oder den Verkaufszahlen usw. Arendts Buch hätte eigentlich Vita contemplativa heißen können, aber diesen Schritt hat sie aufgrund ihres eigenen Lebens nicht gewagt.

Da Arendt nicht wissen konnte, dass das Buch Der Wille zur Macht ein Verbrechen war, kritisierte sie diesbezüglich noch Nietzsche. Hätte sie schon die >Kritische Studienausgabe - Friedrich Nietzsche< gekannt, sie erschien leider erst in einer akzeptablen Form 1999, also 24 Jahre nach ihrem Tod, wäre sie der Verlogenheit nicht gefolgt. Den dieses Buch Lesenden sei damit anempfohlen, überall dort, wo der Name Nietzsche in Bezug zum Buch Der Wille zur Macht und zu dessen Büchern ab 1889 erscheint, zunächst überall nur vorläufig den «Namen X» einzusetzen. Damit bekommt eine Einfügung von Arendt – >von Männern wie Pascal, Kierkegaard und Nietzsche< – eine andere und angemessene Bedeutung. So ist es dann leichter zu verstehen, dass es eigentlich gar keine Konvergenz in der Soziologie von Parsons zwischen Durkheim und Weber gegeben hat. Weber benutzte Parsons lediglich als einen sogenannten Strohmann&Mac226; weil die beiden anderen Personen, mit denen er arbeitete (Tönnies und Durkheim) ausgerechnet den in den USA zur damaligen Zeit verpönten Begriff >Kommunismus< in ihren Werken benutzten. Nun verdamme man nicht gleich Parsons, denn er hat es mehr als einmal erwähnt (siehe Rezensionen Parsons). Wer kann schon etwas dafür, dass manche nur lesen, was sie sehen wollen, obwohl das Lesen doch eigentlich nicht mehr ist als eine Aneinanderreihung von Buchstaben und Pausen. Die einen reihen zusammen, was das Zeug hält, die anderen gönnen sich mal eine Verschnaufung. Schon die Upanishaden lehren, dass im humanen Bereich die Kommunikation nicht zu unterschätzen ist (siehe Rezension Upanishaden).

Wie dem auch sei, es gibt zwei Möglichkeiten bezüglich Vom tätigen Leben: entweder man bzw. frau liest es oder frau bzw. man lässt es. Wird es gelesen, gibt es wieder zwei Möglichkeiten: weder wird das Männliche noch das Weibliche in Frage gestellt oder man beginnt daran herumzufummeln. Wird das Männliche favorisiert werden müssen, lernt man endlich auch etwas über Irrationalität (vita activa) und Rationalität (vita contemplativa). Wird dagegen das Weibliche akzeptiert werden müssen, es dürfte ja nicht schwer fallen bei dem Namen Hannah Arendt, so findet frau oder man einen gerechten Weg zur Alma Mater, zwar nicht bis zur Weisheit gestillt werdend, aber immerhin zum Nachdenken erzogen.

Ich komme zum Schluss. Kennen Personen Hannah Arendts Buch nicht, so können sie wenig von The Human Condition wissen, noch weniger kennen sie von der Vita contemplativa. Hat irgendjemand Arendt gelesen und kommt auf die Idee, wenig mit ihr anzufangen, dann hat dieser Jemand sexuelle Probleme. Ich sage zu diesem Buch sogar noch folgende Bemerkung: will man Depp bleiben, so lest es nicht. Könnte man oder frau in die Versuchung geraten, der Wahrheit ein wenig näher zu kommen, scheut es nicht. Ich weiß lediglich zu berichten, dass selbst die berühmtesten Personen weinten, als sie diese Schrift lasen.

Bei einer Besprechung will man sicher noch mehr Informationen. Nun gut, sie seien gesagt. Der >Niemand< weiß gar nicht, dass dieses Buch existiert. Die >Etablierten< hüten sich vor dieser Schrift. Die >Außenseiter< haben weder Geld noch Information genug, um darüber zu urteilen, ob es diese «Mutter» gibt. Wer nun genau hingehört hat, wird selbst das Weinen des namhaften Soziologen Norbert Elias (siehe Rezension Humana conditio) vernehmen können. Der berühmteste Soziologe der Welt, Talcott Parsons, sagte es so, bevor ihr überhaupt nur irgendetwas weiterdenkt, vergesst mir Hannah Arendt nicht. Hannah Arendt ist sicherlich kein Dreh- und Angelpunkt der Weltgeschichte, aber sie nicht zu berücksichtigen, führt in eine gefühllose Welt.

Kierkegaard trennte sich von seiner großen Liebe, Arendt schreibt in Liebe über ihre Liebe, die nicht erwidert wurde. Ende.

Es ist nicht die Trennung, die das Soziale bewirkt, und nicht die Kälte, die das Soziale ermöglicht. Es tut mir leid, dass Hannah Arendt erst heute wahrheitsgemäß gesagt werden kann, dass das Buch Der Wille zur Macht von der ersten bis zur letzten Seite gefälscht wurde.

noz

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